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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 01/2005 - Lösung


1. Der Torwart erhält den Ball von einem Mitspieler mit dem Kopf zugespielt. Anschließend steht er unbedrängt mit dem Ball am Fuß im Strafraum und ist nicht bemüht, den Ball abzuspielen. Da seine Mannschaft kurz vor Ende des Spiels knapp führt, kommt es zu Protesten der Gegner, die eine Spielverzögerung durch den Torwart reklamieren. Wie ist zu entscheiden?
Der Torwart bedient sich keiner Taktik, die das Spiel unsportlich verzögert. Da der Ball im Spiel ist und nicht durch den Torwart mit den Händen kontrolliert wird, haben die Gegenspieler die Möglichkeit, zum Ball zu laufen und ihn zu spielen. Dadurch wäre dann der Torwart gezwungen, entweder den Ball mit den Händen aufzunehmen und dann nach spätestens sechs Sekunden freizugeben oder ihn sofort abzuspielen.


2. Der Schiedsrichter leitet ohne neutrale Assistenten. Ein Schuss auf das Tor wird von einem Verteidiger durch ein absichtliches Handspiel kurz vor der Torlinie abgewehrt. Der Ball prallt anschließend neben dem Tor ins Aus. Da dem Schiedsrichter die Sicht versperrt ist, erkennt er den Vorfall nicht. Wie soll er sich verhalten, wenn anschließend Angreifer intensiv die Torverhinderung durch ein Handspiel des Verteidigers reklamieren?
Der Schiedsrichter leitet ohne neutrale Assistenten, deshalb scheidet eine Befragung der Vereins-Assistenten aus. Da es sich um einen für das Spielergebnis gravierenden Vorgang handelt, sollte der Schiedsrichter die Möglichkeit nutzen, den betroffenen Abwehrspieler zu befragen. Gibt dieser das Handspiel zu, wird auf Strafstoß entschieden. Eine Persönliche Strafe ist in diesem Fall nicht auszusprechen. Verneint er das Handspiel, so hat der Schiedsrichter alle Möglichkeiten genutzt, zu einer richtigen Entscheidung zu kommen. Spielfortsetzung dann mit Eckstoß.


3. Nach einem Zweikampf im Bereich der Mittellinie unterbricht der Schiedsrichter das Spiel nicht. Nachdem der Ball weiter gespielt wurde, läuft ein bereits ausgewechselter Spieler aus der Technischen Zone auf das Spielfeld und stößt den Spieler der gegnerischen Mannschaft, der nach seiner Meinung ein deutliches Foul begangen hatte, mit beiden Händen heftig zu Boden. Wie muss der Assistent, der den Vorgang erkennt, reagieren und der Schiedsrichter dann entscheiden?
Der Assistent muss, da der Vorgang gravierend ist und weitere Vergehen verhindert werden müssen, das Vergehen sofort mit der Fahne anzeigen. Nach der Spielunterbrechung und Information des Schiedsrichters ist der ausgewechselte Spieler nach Zeigen der Roten Karte aus dem Innenraum zu verweisen. Da gegen diesen ausgewechselten Spieler keine Spielstrafe mehr möglich ist, muss das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball befand fortgesetzt werden.


4. Nach der Abstoß-Ausführung gelangt der Ball direkt über die Mittellinie. Dort wird er von einem Angreifer mit dem Kopf berührt und prallt dann zu einem weiteren Angreifer, der zum Zeitpunkt der Abstoß-Ausführung und der Kopfballverlängerung näher der gegnerischen Torlinie stand als der vorletzte Abwehrspieler. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Beim Abstoß ist zwar keine Abseitsposition möglich, da jedoch der Ball, wenn auch unkontrolliert, noch von einem Mitspieler berührt wurde, gilt diese Berührung als Zuspiel. Das Spiel muss daher wegen der strafbaren Abseitsstellung unterbrochen werden und mit einem indirekten Freistoß dort, wo die Abseitsstellung wirksam wurde, fortgesetzt werden.


5. Nach einem Foulspiel unterbricht der Schiedsrichter das Spiel. Während er deshalb den schuldigen Spieler verwarnt, tritt ein anderer Abwehrspieler den Ball, der zur Freistoß-Ausführung bereits am richtigen Ort liegt, weit weg. Wie muss der Assistent reagieren, wenn sich dieser Vorgang außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichters ereignet? Entscheidung des Schiedsrichters?
Mit dem weiten Wegtreten des Balles wird, da der Ball bereits am Ausführungsort liegt, die Spielaufnahme eindeutig verzögert. Dies ist nach Regel 12 ein Vergehen, das mit einer Verwarnung zu bestrafen ist. Da der Schiedsrichter den Vorgang nicht erkennen kann, muss der Assistent mit seinem Fahnenzeichen reagieren. Der schuldige Spieler ist zu verwarnen. Spielfortsetzung mit direktem Freistoß.


6. Ein Abwehrspieler spielt den Ball absichtlich und kontrolliert in die Richtung seines Torwarts. Bevor der Ball zum Torwart gelangt, wird er von einem weiteren Abwehrspieler unabsichtlich mit dem Fuß berührt und verändert deutlich die Richtung. Trotzdem kann der Torwart nach einigen Schritten den Ball erreichen und ihn mit den Händen aufnehmen. Muss der Schiedsrichter eingreifen?
Nein! Obwohl das Zuspiel zunächst kontrolliert und absichtlich zum Torwart erfolgte, besteht kein Anlass mehr, einzugreifen. Durch die anschließende unabsichtliche und unkontrollierte Berührung des Balles durch einen weiteren Mitspieler ist kein strafbarer Rückpass im Sinne der Regel 12 mehr gegeben (Anweisung 18).


7. Bei einem Kopfballduell schlägt ein Spieler seinem Gegner den Ellenbogen absichtlich und heftig ins Gesicht. Da der Schiedsrichter das Vergehen nicht erkennt, läuft das Spiel weiter. Nach einigen Spielzügen erfolgt eine Unterbrechung wegen eines Handspiels. Nun hebt ein Assistent die Fahne und unterrichtet anschließend den Schiedsrichter über den Ellenbogenschlag. Hat sich der Assistent richtig verhalten und wie ist nun zu entscheiden?
Der Assistent hätte die Fahne bei diesem Vergehen, das einen Feldverweis erfordert, sofort heben sollen. Da das Spiel wegen des zweiten Vergehens noch nicht fortgesetzt ist, kann aber noch wegen des Schlages auf direkten Freistoß und Feldverweis entschieden werden.


8. Ein Angreifer wird auf der vom Assistenten gegenüberliegenden Seite angespielt. Um den Ball am Abwehrspieler vorbei zu spielen, benutzt er eindeutig die Hand und kann dadurch frei in Richtung Tor laufen. Wie soll sich der Assistent verhalten, wenn er den Vorgang zweifelsfrei erkennt, der Schiedsrichter aber nicht eingreift, da das Handspiel durch beide Spieler verdeckt wird?
Da der Assistent das Handspiel zweifelsfrei als absichtlich erkennt, muss er trotz der großen Entfernung zum Vergehen mit einem Fahnenzeichen reagieren. Entscheidend ist die Verpflichtung des Assistenten, alle Vergehen anzuzeigen, die sich entweder außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichters ereignen, oder bei denen eine Position besser als die des Schiedsrichters ist. Spielfortsetzung nach der Unterbrechung mit direktem Freistoß. Der Angreifer ist wegen des unsportlichen Handspiels zu verwarnen.


9. Ein Abwehrspieler lupft den Ball mit dem Fuß hoch und spielt ihn anschließend mit dem Kopf zu seinem Torwart. Damit will er nach Meinung des Schiedsrichters dem Torwart die Möglichkeit geben, den Ball mit den Händen aufzunehmen. Der Torwart nimmt den Ball nicht mit den Händen, sondern zunächst mit dem Körper an und schießt ihn anschließend mit dem Fuß aus dem Strafraum. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Der Abwehrspieler versucht mit dem Hochlupfen des Balles und dem anschließenden Zuspiel an den Torwart mit dem Kopf, die Bestimmungen der Regel 12, IFAB Nr. 3, zu umgehen. Damit handelt er unsportlich. Dabei ist es unerheblich, ob der Torwart den Ball mit den Händen aufnimmt / berührt; der Abwehrspieler handelt gegen Sinn und Geist der Regel. Der Spieler ist daher zu verwarnen und das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort, wo der Ball hoch genommen wurde, fortzusetzen.


10. Nach einem Zweikampf innerhalb des Spielfeldes, unmittelbar an der Seitenlinie, kommt ein Angreifer zu Fall und gerät dabei außerhalb des Spielfeldes. Der Ball bleibt im Spiel und wird abgespielt. Nun sieht der Schiedsrichter, wie dessen Gegner, der sich bei dem Zweikampf behindert fühlte, aus dem Spielfeld läuft und den am Boden liegenden Angreifer einen Fußtritt versetzt. Wie muss der Schiedsrichter nach der Spielunterbrechung entscheiden?
Der Verteidiger verläßt während des laufenden Spiels unerlaubt das Spielfeld und begeht mit dem Tritt eine Tätlichkeit. Für den Tritt muss er des Feldes verwiesen werden. Wegen des unerlaubten Verlassens des Spielfeldes ist das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortzusetzen.


11. Bei einer Strafraum-Situation prallen der Torwart und ein Mitspieler zusammen. Beide Spieler bleiben danach am Boden liegen und werden anschließend auf dem Feld gepflegt. Nachdem beide Spieler wieder spielbereit sind, fordert der Schiedsrichter den Mitspieler auf, vor der Spielfortsetzung das Spielfeld zu verlassen. War diese Entscheidung richtig?
Die Entscheidung des Schiedsrichters war falsch, da zusammen mit dem Torwart nicht nur Gegenspieler, sondern auch Mitspieler gepflegt werden dürfen. Ein anschließendes Verlassen des Spielfeldes ist somit nicht erforderlich (Regel 5, DFB-Anweisung Nr. 6).


12. Ein Angreifer führt in Strafraumnähe korrekt einen weiten Einwurf aus. Den vor dem Tor aufspringenden Ball kann der Torwart nicht erreichen. Um zu verhindern, dass der Ball unmittelbar vor der Torlinie von einem Angreifer ins Tor geköpft wird, hält ein Verteidiger den Ball vor der Torlinie mit der Hand auf. Wie muss entschieden werden?
Aus einem Einwurf kann ein Tor direkt nicht erzielt werden. Deshalb wäre das Handspiel des Verteidigers zunächst keine Torverhinderung. Da jedoch einem Angreifer durch das Handspiel unmittelbar vor dem Tor die Chance genommen wird, den Ball mit dem Kopf ins Tor zu köpfen, wird eine Torchance verhindert. Deshalb muss der Verteidiger des Feldes verwiesen werden. Spielfortsetzung mit einem Strafstoß.


13. Während des laufenden Spiels verliert ein Spieler einen Schienbeinschoner und wirft ihn anschließend über die Seitenlinie aus dem Spielfeld. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden und reagieren, wenn er den Vorgang wahrnimmt?
Nach den Strafbestimmungen der Regel 4 ist das Spiel deshalb nicht zu unterbrechen. Entweder noch während des laufenden Spiels, spätestens in der nächsten Spielunterbrechung, fordert er den Spieler auf, das Spielfeld zu verlassen, um seine Ausrüstung mit dem fehlenden Schienbeinschoner zu vervollständigen. Der Wiedereintritt kann entweder noch in der gleichen Spielruhe oder nächsten Spielunterbrechung und Kontrolle durch den Schiedsrichter im Bereich der Mittellinie erfolgen.


14. Nach einem Zweikampf gerät ein Verteidiger neben dem Tor über die Torlinie. Da er meint, der Angreifer hätte ein Foul an ihm begangen, das der Schiedsrichter nicht geahndet hat, stößt er den Angreifer, der innerhalb des Spielfeldes steht, mit beiden Händen heftig zu Boden. Wie ist zu entscheiden, wenn der Schiedsrichter deshalb das Spiel unterbricht?
Der Schiedsrichter sah zunächst keinen Anlass, das Spiel nach dem Zweikampf zu unterbrechen. Beim anschließenden Stoßen mit den Händen erfolgte der Kontakt innerhalb des Strafraumes. Da das Spiel nicht unterbrochen war, ist deshalb auf Strafstoß zu entscheiden. Für das heftige Stoßen mit den Händen muss der Verteidiger des Feldes verwiesen werden.


15. Im Kampf um den Ball laufen ein Verteidiger und ein Angreifer nahe der Seitenlinie. Um an den Ball zu gelangen, schlägt der Angreifer dem Verteidiger den Ellenbogen heftig ins Gesicht. Da er mit seinem Kopf die Situation verdeckt, erkennt der Schiedsrichter den Vorgang nicht. Wie müssen der für diese Spielsituation gut postierte Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden?
Der Schlag mit dem Ellenbogen muss vom Assistenten, da aus guter Position deutlich erkannt und vom Schiedsrichter nicht wahrgenommen und geahndet, mit der Fahne angezeigt werden. Um den Schiedsrichter über den notwendigen Feldverweis des Angreifers zu informieren, muss unmittelbar nach der Richtungsanzeige der Kontakt zu ihm hergestellt werden. Spielfortsetzung mit direktem Freistoß für den Verteidiger.


16. Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung. Unmittelbar nach der Los-Entscheidung, welches Team den ersten Schuss ausführen muss, bittet der Spielführer einer Mannschaft den Schiedsrichter, den Torwart auswechseln zu dürfen. Wie ist zu entscheiden, wenn das Auswechselkontingent dieser Mannschaft noch nicht voll genutzt wurde?
Der Wechsel des Torwarts wegen einer Verletzung ist nicht nur während, sondern auch schon vor Beginn der Schüsse von der Strafstoßmarke möglich. Da das Auswechselkontingent noch nicht voll genutzt wurde, muss der Schiedsrichter dem Wechsel zustimmen.


17. Der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoß. Nach dem Pfiff läuft er zur Verdeutlichung seiner Entscheidung zum Strafstoßpunkt und ist dann von Spielern der verteidigenden Mannschaft umgeben. Einer der reklamierenden / protestierenden Spieler schubst den Schiedsrichter mit der Hand gegen die Brust. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden und reagieren?
Zunächst war die Reaktion des Schiedsrichters, zum Strafstoßpunkt zu laufen, nicht glücklich. Bei einem Ausweichen auf die Seite ist die Gefahr, in einen Spielerpulk zu geraten, wesentlich geringer. Das Schubsen gegen den Schiedsrichter ist mit einem Feldverweis zu ahnden. Ob weitere Strafen wegen der Reklamationen erforderlich sind, liegt im Ermessen des Schiedsrichters. Das Spiel ist wegen des „Schubsers" nicht abzubrechen, da eine Tätlichkeit, die einen Spielabbruch erfordert, nicht gegeben ist.


18. Bei der Strafstoß-Ausführung wird der Ball an den Pfosten geschossen. Der Torwart und der Schütze laufen zum Ball. Zunächst gelingt es dem Schützen, vor dem Torwart an den Ball zu gelangen und ihn anzunehmen. Bevor der Schütze den Ball auf das Tor schießen kann, wird er vom Torwart brutal umgerannt. Nun unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und muss wie entscheiden?
Bei Vergehen von Spielern beider Mannschaften ist das erste Vergehen mit der Spielstrafe zu ahnden. Da dies das zweimalige Spielen des Balles durch den Schützen ist, muss auf indirekten Freistoß dort, wo die Berührung erfolgte, entschieden werden. Für das Umrennen des Schützen muss der Torwart des Feldes verwiesen werden.


19. Ein Einwurf wird korrekt ausgeführt. Gleichzeitig mit der Ausführung gelangt ein zweiter Ball etwa zehn Meter vom Einwurfort in das Spielfeld. Das Spielgeschehen verlagert sich weg von dem zweiten Ball In die andere Spielfeldhälfte. Nach einer Flanke in den Strafraum wird kurz danach ein Tor erzielt. Entscheidung des Schiedsrichters?
Das Spielgeschehen entwickelte sich nach der Einwurf-Ausführung weg von dem zweiten ins Spielfeld gelangten Ball. Da deshalb keine Beeinflussung des Spielablaufs gegeben war, hat der Schiedsrichter richtig gehandelt, das Spiel nicht zu unterbrechen. Das Tor ist daher anzuerkennen, der zweite Ball muss vom Spielfeld, und anschließend wird das Spiel mit einem Anstoß fortgesetzt.


20. Nach der Strafstoß-Ausführung prallt der Ball vom Pfosten zurück ins Spielfeld. Bevor der Schütze den zurück springenden Ball annehmen kann, wird er von einem Verteidiger, der vor der Ausführung in den Strafraum gelaufen ist, am Trikot festgehalten und zu Boden gezogen. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Da der Schütze den vom Pfosten zurück springenden Ball noch nicht berührt hat, liegt kein Vergehen vor. Der Abwehrspieler läuft zunächst zu früh in den Strafraum und zieht dann seinen Gegner zu Boden. Da das schwerere Vergehen zu bestrafen ist, muss auf Strafstoß entschieden werden. Der Verteidiger ist nur zu verwarnen, da keine Torchance verhindert wurde.

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