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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 02/2005 - Lösung


1. Während des laufenden Spiels sieht der Assistent, wie der Torwart mit dem Fuß die Mitte des Torraums markiert. Diesen Vorgang signalisiert er sofort mit seinem Fahnenzeichen. Kurz danach unterbricht der Schiedsrichter deshalb das Spiel. War die Reaktion des Assistenten richtig und wie muss nun vom Schiedsrichter entschieden werden?
Die Reaktion des Assistenten war nicht richtig. Die Meldung hätte erst während der nächsten Spielunterbrechung erfolgen sollen. Da das Verhalten des Torwarts unsportlich ist, muss er verwarnt werden. Obwohl die Spielunterbrechung nach Regel 1, Anweisung 6, nicht hätte erfolgen sollen, ist das Spiel mit einem indirekten Freistoß an der Torraumlinie fortzusetzen.


2. Obwohl der Schiedsrichter das Spiel vor einer Freistoß-Ausführung noch nicht freigegeben hat, führt ein Angreifer den Freistoß aus. Er wird dafür verwarnt. Danach wird von diesem Spieler bei der dann korrekten Ausführung ein Tor erzielt. Noch vor dem Anstoß sieht der Schiedsrichter ein Fahnenzeichen seines Assistenten. Dieser teilt ihm mit, dass der Freistoß-Schütze zuvor bereits verwarnt war. Wie ist zu entscheiden?
Da das Spiel nach der Verwarnung mit der Freistoß-Ausführung bereits wieder fortgesetzt wurde, ist eine nachträgliche Bestrafung mit „Gelb/Rot“ nicht mehr möglich. Neben dem Fehler des Schiedsrichters hat auch der Assistent nicht richtig gehandelt. Er hätte vor der Freistoß-Ausführung alles versuchen müssen. Beispielweise durch auf den Platz laufen, den Schiedsrichter zu informieren. Spielfortsetzung mit Anstoß. Meldung des Vorgangs.


3. Während des laufenden Spiels zeigt der Assistent einen Schlag eines Verteidigers gegen einen Angreifer nahe der Seitenlinie mit der Fahne an. Nachdem der Ball die Seitenlinie überschritten hat, sieht der Schiedsrichter das Fahnenzeichen und läuft deshalb zum Assistenten. Da er das Spiel nicht stoppt, wird der Einwurf ausgeführt. Dies wird vom Schiedsrichter erst erkannt, als der Ball bereits erkannt, als der Ball bereits im Spiel ist. Nun stoppt er das Spiel und muss wie entscheiden?
Zunächst hat der Schiedsrichter sich fasch verhalten, da er das Spiel, als er zum Assistenten lief, nicht sofort gestoppt hat. Da er jedoch wegen des Fahnenzeichens zum Assistenten läuft und unmittelbar nach der Einwurf-Ausführung das Spiel unterbricht, machte er deutlich, dass er der Spielfortsetzung nicht zustimmt. Deshalb muss der Verteidiger wegen des Schlages noch des Feldes verwiesen werden. Spielfortsetzung mit direktem Freistoß gegen die verteidigende Mannschaft.


4. In der hektischen Schlussphase des Spiels sieht der Schiedsrichter, wie ein Spieler, der im Spielfeld steht, unmittelbar an der Seitenlinie einen Abwehrspieler des Gegners anspuckt. Die zuvor vom Auswechselspieler erfolgten provozierenden Ausdrücke gegen den Spieler der gegnerischen Mannschaft hat der Schiedsrichter nicht wahrnehmen können. Wie muss nach der Spielunterbrechung entschieden werden?
Der Spieler handelt grob unsportlich und ist deshalb des Feldes zu verweisen. Da das Vergehen nicht gegen einen Spieler, sondern gegen einen Auswechselspieler erfolgte, ist das Spiel mit indirektem Freistoß dort, wo der Spieler stand, fortzusetzen. Die provozierenden Äußerungen des Auswechselspielers können nicht geahndet werden, da sich vom Schiedsrichter nicht wahrgenommen wurden.

5. Freistoß für die Angreifer wenige Meter vor dem Strafraum. Das Spiel ist durch den Schiedsrichter nicht gestoppt. Deshalb versucht ein Angreifer, den Ball schnell wieder ins Spiel zu bringen. Dabei schießt er einen Angreifer an, der nur etwa fünf Meter vom Ball entfernt ist, aber mit dem Blick zum Ball rückwärts wegläuft. Wie ist zu entscheiden, wenn der Abwehrspieler den Ball anschließend kontrollieren kann?
Der Schiedsrichter hat keine Veranlassung einzugreifen. Der Abwehrspieler blickt zwar zum Ball, geht aber rückwärts vom Ausführungsort weg. Da er nicht aktiv versucht den Ball zu spielen, sondern angeschossen wird, liegt keine absichtliche Beeinflussung der Ausführung vor.


6. Vor der Freistoß-Ausführung stoppt der Schiedsrichter das Spiel und ist bemüht den korrekten Abstand 9,15 Meter zu erreichen. Da er dabei mit dem Rücken zum Ball steht, sieht er nicht, welcher Spieler ohne Spielfreigabe den Ball neben das Tor schießt. Wie ist nun zu entscheiden?
Das Stellungsspiel des Schiedsrichters bei der Festlegung des 9,15-Meter-Abstandes war falsch, da er nicht seitlich, und damit mit Blick zum Ball, sondern mit dem Rücken zum Ausführungsort war. Da die Ausführung ohne Spielfreigabe erfolgte, muss der Freistoß wiederholt werden. Die eigentliche erforderliche Verwarnung kann er nicht aussprechen, da er nicht gesehen hat, durch welchen Spieler die Ausführung erfolgte.


7. Während des laufenden Spiels wechselt ein Spieler mit Kenntnis des Schiedsrichters seine Schuhe auf dem Spielfeld. Nachdem der Wechsel abgeschlossen ist, die „alten“ Schuhe außerhalb des Spielfeldes sind, greift dieser Spieler ins Spiel ein und spielt den Ball. Nach der Flanke, die dieser Spieler anschließend vor das Tor schlägt, wird ein Tor erzielt. Hat der Schiedsrichter Veranlassung einzugreifen?
Der Wechsel der Schuhe auf dem Spielfeld und während des laufenden Spiels ist zulässig. Der Schiedsrichter soll deshalb das Spiel nicht unterbrechen. Die Kontrolle der Schuhe kann in der nächsten Spielruhe erfolgen. Daher besteht keine Notwendigkeit, das Spiel wegen des Spieleingriffs nach dem Schuhwechsel zu unterbrechen. Das Tor ist anzuerkennen. Spielfortsetzung mit Anstoß.


8. Nach einer Abseits-Anzeige wird der Assistent von einem Zuschauer mit einer Flasche beworfen. Dabei wird er am Kopf getroffen und geht anschließend zu Boden. Der Schiedsrichter unterbricht deshalb das Spiel. Die erlittene Verletzung ist so schwerwiegend, dass eine ärztliche Versorgung erforderlich und die weitere Tätigkeit als Assistent nicht mehr möglich ist. Wie muss sich der Schiedsrichter verhalten?
Nach diesem gravierenden Eingriff von außen, der das Ausscheiden des Assistenten zur Folge hat, bleibt dem Schiedsrichter keine andere Möglichkeit mehr, als nach der möglichen in Regel 5 angeführten Vorgabe zu verfahren und das Spiel abzubrechen.


9. Während einer vom Schiedsrichter deutlich angezeigten Nachspielzeit von drei Minuten nutzt die Mannschaften, die knapp führt, die Möglichkeit, zwei Spieler auszuwechseln. Da dies nicht sonderlich schnell erfolgt, geht zusätzlich Spielzeit verloren. Wie soll sich der Schiedsrichter verhalten?
Auch wenn bereits die Nachspielzeit läuft, muss der Schiedsrichter verloren gegangene Spielzeit, zusätzlich nachspielen lassen. Dabei besteht für den Schiedsrichter kein Ermessensspielraum, da dies eine zwingende Festlegung in der Regel 7 ist. Dieser besteht lediglich über die Dauer der zusätzlichen Nachspielzeit, die vom Schiedsrichter festzulegen ist. Diese zusätzliche Zeit wird nicht mehr angezeigt.


10. Der Torwart läuft einem scharf in den Strafraum geschlagenen Ball entgegen. Dabei verliert er mit dem Standbein den Halt und geht deshalb zu Boden. Anschließend rutscht er, während er den Ball mit den Händen zunächst innerhalb des Strafraums unter Kontrolle hat, auf dem sehr nassen Rasen knapp über die Strafraumgrenze hinaus. Wie ist zu entscheiden?
Die Aktion des Torwarts erfolgte nicht in der Absicht, den Ball außerhalb des Strafraums mit der Hand zu spielen. Zunächst wurde innerhalb des Strafraums der Ball mit den Händen kontrolliert, und nur durch den Schwung und den nassen Rasen rutschte der Torwart mit dem Ball in den Händen über die Strafraumlinie. Deshalb ist nicht von einem unsportlichen Handspiel auszugehen. Auf eine Verwarnung oder gar eine Rote Karte ist daher zu verzichten. Spielfortsetzung mit direktem Freistoß.


11. Die Freistoß-Ausführung ist deutlich blockiert worden. Beim Stellen der „Mauer“ wird mit einem einzelnen Pfiff versucht, die Spieler auf die richtige Distanz zu postieren. Diesen Pfiff wertet der Angreifer als Spielfreigabe und erzielt ein Tor. Der Schiedsrichter erkennt das Tor nicht an, da er das Spiel nicht freigegeben hatte. Er verwarnt den Schützen und der Freistoß wird wiederholt. Hat sich der Schiedsrichter richtig verhalten?
Das Verhalten des Schiedsrichters war falsch, da ein einzelner Pfiff beim Stellen der „Mauer“ tatsächlich als Spielfreigabe empfunden werden kann. In dieser Situation sind einige kurze Pfiffe möglich, besser und eindeutiger dagegen sind entschlossene Ansprachen der Spieler, unterstützt durch Gesten. Da keine Spielfreigabe erfolgte, muss der Freistoß wiederholt werden. Auf eine Verwarnung hätte verzichtet werden sollen, da die Situation nicht eindeutig war.


12. Nach einem Eckstoß überschreitet der Ball knapp die Torlinie außerhalb des Tores und wird vom Torwart gefangen. Das Fahnenzeichen des Assistenten wird vom Schiedsrichter jedoch übersehen. Deshalb gelangt der Ball nach einem weiten Abschlag des Torwarts zu einem Mitspieler, der dann von einem Gegner verwarnungswürdig gefoult wird. Nach dem Pfiff erkennt der Schiedsrichter das Fahnenzeichen und muss wie entscheiden?
Richtig war, dass der Assistent das Fahnenzeichen bis zur nächsten Spielunterbrechung beibehalten hat. Da der Ball im Aus und das Spiel nach den Vergehen noch nicht wieder fortgesetzt war, muss das Spiel mit Abstoß fortgesetzt werden. Der Spieler, der das verwarnungswürdige Foul beging, ist zu verwarnen.


13. Nach einem Kopfballduell bleiben beide Spieler verletzt am Boden liegen. Da der Schiedsrichter die Verletzungen als schwerwiegend ansieht, gibt er ohne Befragung beider Spieler den Betreuern ein Zeichen, das Spielfeld betreten zu dürfen. Während ein Spieler länger behandelt werden muss, braucht der andere Spieler keine Pflege und will deshalb das Spielfeld nicht verlassen. Wie verhält sich der Schiedsrichter?
Der Schiedsrichter kann nach seinem Ermessen bei schweren Verletzungen Betreuern ohne Befragung der Spieler das Betreten des Spielfeldes erlauben. Auch wenn ein Spieler dann keine Pflege benötigt, müssen beide Spieler vor der Spielfortsetzung das Feld verlassen.

14. Der Ball wird von einem Angreifer zu einem weiteren Mitspieler gespielt, der sich zum Zeitpunkt des Abspiels in einer vom Assistenten angezeigten Abseitsposition befindet. Während der Ball in der Luft ist, berührt ihn ein Abwehrspieler mit der Hand. Trotzdem gelangt der Ball zum angespielten Angreifer, der ihn unbedrängt annehmen kann. Wie ist zu entscheiden?
Im Moment des Zuspiels des Mitspielers an den Angreifer befindet sich dieser in strafbarer Abseitsposition, die vom Assistenten angezeigt wird. Dies ist das erste Vergehen, das zu bestrafen ist. Deshalb ist das anschließende Handspiel ohne Bedeutung für die zu treffende Entscheidung: indirekter Freistoß dort, wo die Abseitsstellung war.


15. Da der Schiedsrichter in unmittelbarer Nähe steht, erkennt er, wie ein Abwehrspieler versucht, einen Gegenspieler anzuspucken. Wie muss entschieden werden, wenn sich beide Spieler innerhalb des Strafraums befinden, der Verteidiger aber den Gegner nicht trifft?
Auch wenn der Gegner beim Spucken nicht getroffen wird, ist der Versuch so zu bewerten und zu ahnden, als wenn er getroffen wurde. Da sich beide Spieler im Strafraum befinden, muss auf Strafstoß entschieden werden. Der Verteidiger ist außerdem des Feldes zu verweisen.


16. Der Ball wird weit über die Seitenlinie ins Aus getreten. Nachdem ein Spieler den Ball wieder aufgenommen hat, läuft er bis an die Barriere, die sich einen Meter von der Seitenlinie befindet. Von dort, noch hinter der Barriere stehend, führt er den Einwurf aus. Wie ist zu entscheiden, wenn die Ausführung nicht regelgerecht erfolgte?
Hinter der Barriere ist eine Einwurf-Ausführung nicht möglich. Deshalb muss das Spiel sofort gestoppt werden und die Ausführung, unabhängig davon, ab sie regelgerecht oder falsch war, durch die gleiche Mannschaft erneut erfolgen. Zweckmäßig ist es, wenn der Schiedsrichter so vorbeugend handelt, dass die unzulässige Ausführung verhindert wird.

 

17. Spielentscheidung durch Schüsse von der Strafstoßmarke. Nach Ende der Verlängerung, vor der Auslosung über das Team, das den ersten Schuss ausführen muss, möchte eine Mannschaft, da erst zwei Spieler eingewechselt wurden, einen dritten Feldspieler einwechseln. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Der Schiedsrichter darf dem gewünschten Spielerwechsel nicht zustimmen. Nach Ende der Verlängerung darf nur noch der Torwart ersetzt werden, wenn vorher weniger als drei Spieler ausgetauscht wurden und der Torwart sich verletzt hat.

 

18. Nach der Freigabe durch den Schiedsrichter täuscht der Schütze bei der Strafstoß-Ausführung den Torwart in unerlaubter Weise. Den vom Pfosten zurückspringenden Ball nimmt der Mitspieler des Schützen, den korrekt nach der Ausführung in den Strafraum gelaufen ist, an und schießt ihn ins Tor. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Wegen der unerlaubten Täuschung soll der Schiedsrichter das Spiel möglichst schnell unterbrechen, wenn der Ball vom Pfosten zurückprallt. Obwohl dies nicht sofort erfolgte, ist das Tor nicht anzuerkennen. Das Spiel ist mit einem indirekten Freistoß am Strafstoßpunkt fortzusetzen.

19. Nach einem verunglückten Torschuss eines Angreifers kann der Torwart den Ball seitlich des Tores mit dem Fuß unter Kontrolle bringen. Da seine Mannschaft knapp in Führung liegt, bleibt er zunächst mit dem Ball am Fuß mehr als sechs Sekunden an der Torlinie stehen. Danach läuft er mit dem Ball am Fuß einige Schritte in Richtung Strafraumlinie und bleibt erneut stehen. Spieler der angreifenden Mannschaft reklamieren deshalb beim Schiedsrichter und fordern wegen unsportlicher Spielverzögerung eine Spielunterbrechung und die Bestrafung des Torwarts. Muss der Schiedsrichter reagieren?
Wesentlich für die Beurteilung dieser Spielsituation ist die Tatsache, dass der Torwart den Ball noch nicht kontrolliert, da er ihn noch nicht mit den Händen/Armen berührt oder gespielt hat. Der Ball ist damit für Spieler der angreifenden Mannschaften spielfrei.
Deshalb bedient sich der Torwart keiner Taktik, die als unsportliche Spielverzögerung im Sinne der Regel 12 zu bewerten wäre.
Weder unter den Vergehen für die Entscheidung indirekter Freistoß, noch bei den Entscheidungen des internationalen Football Association Board sind Grundlagen gegen das Verhalten des Torwartes zu beanstanden und das Spiel deshalb zu unterbrechen.
Den Angreifer bleibt nur die ganz einfache Möglichkeit den Torwart anzugreifen und ihn dadurch zu zwingen, den Ball zu abzuspielen. Nimmt der Torwart deshalb den Ball mit den Händen auf, muss er ihn nach sechs Sekunden freigeben, damit ist auch dann kurzfristig der Ball wieder spielbar. Diese Festlegung ersetzt anders lautenden Auslegungen – auch im Schiedsrichter-Handbuch – der Vergangenheit.

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