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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 04/2006 - Lösung
1. Ein Abwehrspieler hält einen Angreifer unmittelbar außerhalb an der Strafraumlinie stehend, am Hemd fest. Da der Angreifer weiter läuft, rutscht das Hemd aus der Hose und der Angreifer befindet sich nun etwa einen Meter im Strafraum. Dadurch wird er daran gehindert, zum Ball zu laufen. Wie ist zu entscheiden, wenn dadurch zwar keine klare Torchance, aber eine sehr gute Angriffs-Situation verhindert wird.
Obwohl sich der Abwehrspieler knapp außerhalb des Strafraums befindet, reicht seine Hand, die das Hemd festhält, in den Strafraum hinein. Da sich der Angreifer einen Meter im Strafraum befindet und der Kontakt über das Hemd besteht, ist der Kontakt/Tatort innerhalb des Strafraums. Die Entscheidung muss daher Strafstoß lauten. Der Abwehrspieler ist wegen der Verhinderung einer Angriffs-Situation zu verwarnen.
2. Ein Abwehrspieler versucht, ein Anspiel eines Angreifers zu einem in sehr guter Position – aber im Abseits – befindlichen Mitspieler durch ein Handspiel zu verhindern. Dabei gelingt es ihm lediglich, den Ball mit der Hand zu berühren, der anschließend diesen Angreifer erreicht. Wie ist zu entscheiden?
Der Angreifer befand sich nach Meinung des Schiedsrichters zunächst nicht in einer strafbaren Abseitsposition. Deshalb ist das erste Vergehen, das unsportliche Handspiel, zu bestrafen. Der Verteidiger ist zu verwarnen und das Spiel mit einem direkten Freistoß fortzusetzen.
3. Ein Tor wird erzielt. Unmittelbar danach sieht der Schiedsrichter das Fahnenzeichen seines Assistenten. Dieser unterrichtet ihn davon, dass ein Spieler der Mannschaft, die das Tor erzielte, kurz vor dem Torerfolg einem Gegner im Bereich der Mittellinie einen Tritt versetzt hat. Wie ist zu entscheiden?
Der Tritt des Spielers erfolgte vor der Torerzielung und muss, da seine Mannschaft das Tor erzielte, bestraft werden. Deshalb kann das Tor nicht anerkannt werden. Das Spiel muss mit einem direkten Freistoß im Bereich der Mittellinie fortgesetzt und der schuldige Spieler des Feldes verwiesen werden.
4. Nach dem Pfiff des Schiedsrichters zur Strafstoß-Ausführung, aber bevor der Ball vom Schützen gespielt wird, laufen Spieler beider Mannschaften deutlich mehrere Meter in den Strafraum/Teilkreis. Der Ball prallt vom Torwart zurück ins Spielfeld zu einem der Angreifer, die deutlich zu früh in den Strafraum gelaufen waren. Dieser Angreifer erzielt ein Tor. Wie ist zu entscheiden?
Die Bestimmungen der Regel 14 sind eindeutig: Übertreten Spieler beider Teams die Ausführungsbestimmungen, muss der Strafstoß wiederholt werden. Dabei ist es unerheblich, welches Ergebnis durch die Ausführung erzielt wurde. Der Schiedsrichter sollte bereits vor dem erneuten Torschuss das Spiel unterbrechen.
5. Um einen Schuhwechsel durchzuführen, verlässt ein Spieler auf eigenen Wunsch mit Zustimmung des Schiedsrichters das Feld. Wenig später läuft er, nachdem die Schuhe gewechselt wurden, während des laufenden Spiels ohne Zustimmung des Schiedsrichters wieder auf das Feld. Der Schiedsrichter erkennt den Vorgang und muss nun wie entscheiden?
Obwohl der Spieler wegen des Schuhwechsels ohne Aufforderung durch den Schiedsrichter das Feld verließ, muss er bei seinem Wiedereintritt alle Vorgaben der Regel 4 erfüllen. Da keine Kontrolle der Schuhe während einer Spielruhe erfolgte und der Spieler ohne Zustimmung des Schiedsrichters das Feld während des laufenden Spiels betrat, muss der Spieler verwarnt werden. Spielfortsetzung mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Spielunterbrechung befand.
6. Nach einem Zweikampf im Torraum prallt der Ball von einem Verteidiger in den Bereich des Strafstoßpunktes. Von dort schießt ein Angreifer den Ball auf das Tor. Dort steht kurz vor der Torlinie ein Angreifer, der sich deutlich hinter dem letzten Abwehrspieler befindet. Um den Ball nicht zu berühren, springt dieser Angreifer hoch, und erreicht so, dass der Ball, von ihm nicht berührt, ins Tor rollt. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden, wenn der Angreifer dabei keinen Abwehrspieler behindert oder den Torwart beeinflusst?
Für die Beurteilung der Situation ist es entscheidend, dass der Angreifer durch seine Anwesenheit und das Hochspringen kurz vor der Torlinie in keiner Weise in das Spiel eingreift oder einen Gegner behindert. Deshalb ist seine Abseitsstellung, da auch der Ball nicht berührt wurde, nicht zu bestrafen. Das Tor ist anzuerkennen und das Spiel mit einem Anstoß fortzusetzen.
7. Das Spiel ist wegen eines Fouls unterbrochen. Nachdem der schuldige Spieler deshalb verwarnt wurde, soll er ausgewechselt werden. Auf dem Weg zur Seitenlinie beleidigt er den Schiedsrichter wegen der zuvor ausgesprochenen Verwarnung. Wie muss durch den Schiedsrichter entschieden werden, wenn der „neue“ Spieler das Feld noch nicht betreten hat?
Da sich der verwarnte Spieler noch auf dem Feld und der vorgesehen Auswechselspieler noch nicht mit Zustimmung des Schiedsrichters auf dem Platz befindet, ist der Wechsel noch nicht vollzogen. Der Spieler ist deshalb des Feldes zu verweisen und die Mannschaft muss mit einem Spieler weniger das Spiel fortsetzen. Spielfortsetzung wegen des zuvor begangenen Fouls mit direktem Freistoß.
8. Während des laufenden Spiels hört der Schiedsrichter-Assistent, wie ein ausgewechselter Spieler nach einem Zweikampf vor der Technischen Zone, bei dem der Schiedsrichter kein Foul erkannte, den Schiedsrichter beleidigt. Wie soll sich der Assistent verhalten und der Schiedsrichter entscheiden?
Da das Vergehen außerhalb des Spielfeldes erfolgt, soll das Fahnenzeichen des Assistenten erfolgen. Nach der kurzen und klaren Information des Schiedsrichters muss der ausgewechselte Spieler nach Zeigen der Roten Karte den Innenraum verlassen. Wenn das Spiel dazu unterbrochen wurde, ist es mit einem Schiedsrichter-Ball dort, wo sich der Ball befand, fortzusetzen.
9. Der Torwart hat den Ball mit den Händen unter Kontrolle und tippt ihn mehrfach auf. Ein Angreifer steht unbemerkt hinter ihm und behindert ihn nicht. Um den Ball nicht länger als sechs Sekunden zu kontrollieren, legt der Torwart den Ball auf den Boden und will ihn anschließend mit dem Fuß spielen. Bevor dies erfolgen kann, spielt der Angreifer von hinten den Ball mit dem Fuß und schießt ihn ins Tor. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Es ist kein Angriff auf den Torwart, wenn der Angreifer, ohne den Torwart in irgendeiner Form zu behindern, hinter dem Torwart steht. Da der Torwart den Ball auf den Boden legt, kontrolliert er ihn nicht mehr mit der Hand und der Ball darf deshalb vom Angreifer gespielt werden. Der Schiedsrichter hat deshalb keine Veranlassung einzugreifen. Das Tor ist anzuerkennen.
10. Ein Verteidiger will auf Strafraumhöhe einen Einwurf in Richtung Mittellinie ausführen. Ein Gegenspieler stellt sich etwas mehr als zwei Meter vom Einwerfenden entfernt auf die Seitenlinie vor ihn. Wie muss der Schiedsrichter reagieren, wenn der Verteidiger diese Position des Angreifers als nicht regelkonform reklamiert?
In den Ausführungsbestimmungen der Regel 15 ist festgelegt, dass sich alle Gegenspieler vor der Ausführung in einer Entfernung von zwei Metern vom Einwerfenden aufhalten müssen. Deshalb ist die Position auf der Seitenlinie, zwei Meter entfernt, reglegerecht; der Schiedsrichter hat keine Veranlassung einzugreifen.
11. Eine Flanke wird vor das Tor getreten. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich kein Angreifer in einer Abseitsposition. Anschließend prallt der Ball aus einer „Spielertraube“ vom Kopf des Verteidigers – vom Schiedsrichter erkannt – zu einem Angreifer, der beim Kopfball nur noch den Torwart vor sich hat. Dieser Angreifer erzielt ein Tor. Wie soll sich der Assistent verhalten, wenn er nicht sicher ist, wer den Ball vor der Torerzielung zuletzt berührt hat? Wie muss der Schiedsrichter reagieren?
Da der Assistent nicht sicher ist, ob ein Verteidiger oder ein Angreifer den Ball vor der Torerzielung zuletzt berührt hatte, bleibt er ohne Fahnenzeichen auf der Seitenlinie stehen. Der Schiedsrichter muss dann zum Assistenten laufen und ihn fragen, warum er Zweifel an einer korrekten Torerzielung hat. Da der Schiedsrichter den Vorgang erkannt hat, wird er auf Grund seiner Wahrnehmung auf Tor entscheiden.
12. In der dem Assistenten zugewandten Strafraumseite kommt ein Abwehrspieler nach einem fairen Zweikampf zu Fall. Als der Angreifer den Ball an ihm vorbeispielen will, greift der Abwehrspieler mit der Hand klar zum Ball und verhindert so, dass der Angreifer eine sehr gute Angriffs-Situation nutzen kann. Wie muss der Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden, wenn der Abwehrspieler mit seinem Körper die Situation für den Schiedsrichter verdeckt?
Bei klaren und eindeutigen Vergehen – auch im Strafraum – muss der Assistent Verantwortung übernehmen. Bei diesem unzweifelhaften Handspiel hat der Assistent die eindeutig bessere Position zum Spielvorgang. Er muss das Handspiel daher mit der Fahne anzeigen. Vor der dann vom Schiedsrichter zu treffenden Strafstoß-Entscheidung ist der Abwehrspieler zu verwarnen, da er eine gute Angriffs-Situation verhindert hat.
13. Ein Spieler wird nach einem unsportlichen Handspiel, da er bereits verwarnt war, mit „Gelb/Rot“ des Feldes verwiesen. Unmittelbar nach dieser Entscheidung stößt dieser Spieler einem Gegner die Hand ins Gesicht. Wie muss der Schiedsrichter auf dieses weitere Vergehen reagieren?
Durch den Feldverweis mit „Gelb/Rot“ gehört der betroffene Spieler nicht mehr zur Mannschaft und zum Spiel. Eine Bestrafung mit der Roten Karte wegen der anschließend begangenen Tätlichkeit ist somit nicht mehr möglich. Dieser Vorgang muss jedoch im Spielbericht gemeldet werden.
14. Bei der korrekten Strafstoß-Ausführung wird der Ball vom Schützen gegen den Pfosten geschossen. Ohne weitere Berührungen durch andere Spieler nimmt der Schütze den abprallenden Ball erneut an und erzielt ein Tor. Der Schiedsrichter entscheidet auf Tor. Muss der neutrale Schiedsrichter-Assistent eingreifen, wenn der den Vorgang erkannt hat?
Da der Assistent das zweimalige Spielen des Balles durch den Strafstoßschützen erkannt hat, muss er eingreifen. Dies kann durch ein Fahnenzeichen, Handzeichen oder durch Laufen zum Schiedsrichter erfolgen. Danach muss auf indirekten Freistoß dort, wo der Ball erneut gespielt wurde, entschieden werden.
15. Es soll je ein Spielerwechsel von beiden Teams durchgeführt werden. Ein Spieler, der ausgewechselt werden soll, hat das Spielfeld verlassen. Der „neue Spieler“, der noch außerhalb des Feldes steht, gerät mit einem Gegner, der ebenfalls eingewechselt werden soll, in Streit. Dabei versetzt er diesem Auswechselspieler einen Schlag. Wie muss der Schiedsrichter nun entscheiden? Worauf ist zu achten?
Der Spieler, der eingewechselt werden sollte, erhält die Rote Karte. Da er das Spielfeld noch nicht mit Zustimmung des Schiedsrichters betreten hatte, ist der Wechsel noch nicht vollzogen. Entweder kann der Spieler, der bereits das Feld verlassen hatte, das Spiel fortsetzen oder ein anderer Auswechselspieler kann für ihn eingewechselt werden.
16. Ein Spieler benutzt während des laufenden Spiels eine Trinkflasche, die ordnungsgemäß außerhalb des Spielfeldes hinter der Seitenlinie steht. Als er von einem Offiziellen aus der gegnerischen Technischen Zone beleidigt wird, wirft er diesem die Flasche – noch innerhalb des Spielfeldes stehend – gegen den Körper. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden, wenn er nur diesen Vorgang sieht und deshalb das Spiel unterbricht?
Der Spieler ist wegen gewaltsamen Spiels des Feldes zu verweisen. Da sich das Vergehen nicht gegen einen Gegner richtete, der Spieler sich noch innerhalb des Spielfeldes befand, und der Kontakt außerhalb des Spielfeldes erfolgte, muss das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der schuldige Spieler befand, fortgesetzt werden.
17. Wegen eines verletzten Spielers fordern Mitspieler eine Spielunterbrechung. Da die Verletzung nach dem Ermessen des Schiedsrichters nicht schwerwiegend ist, unterbricht er das Spiel nicht. Der Spieler geht deshalb über die Torlinie aus dem Feld und wird dort versorgt. Als sich das Spielgeschehen in seinen Bereich verlagert, läuft dieser Spieler ohne Zustimmung des Schiedsrichters auf das Feld und spielt den Ball. Wie ist zu entscheiden?
Ob der Schiedsrichter wegen einer Verletzung das Spiel unterbricht, liegt in seinem Ermessen. Auch wenn der Spieler aus eigener Entscheidung – ohne Spielunterbrechung – das Feld verlässt, darf er nur kann wieder eintreten, wenn er dazu die Zustimmung des Schiedsrichters erhält. Da diese nicht erfolgte, muss der Spieler deshalb verwarnt und das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortgesetzt werden.
18. Eine Mannschaft beginnt mit nur zehn Spielern das Spiel. Der elfte Spieler, auf dem Spielbericht aufgeführt, läuft wenige Minuten später zur Vervollständigung seiner Mannschaft ohne Zustimmung des Schiedsrichters auf das Spielfeld. Um den Ball zu erreichen, schiebt er einen Gegner mit der Hand leicht zur Seite. Deshalb wird das Spiel unterbrochen. Wie ist zu entscheiden?
Mit Betreten des Spielfeldes gehört der elfte Spieler zur Mannschaft und zum Spiel. Da er jedoch ohne Zustimmung des Schiedsrichters das Feld betrat, ist dies das erste Vergehen. Das anschließende Foulspiel, das schwerer Vergehen, das auch mit der Spielstrafe direkter Freistoß geahndet wird. Für den unerlaubten Spieleintritt muss eine Verwarnung ausgesprochen werden. Das leichte Wegschieben mit der Hand erfordert keine Disziplinarstrafe.
19. Ein Auswechselspieler beleidigt während des laufenden Spiels aus der Technischen Zone einen Gegner, der sich auf dem Spielfeld befindet. Da der Schiedsrichter in unmittelbarer Nähe steht, nimmt er den Vorgang wahr und unterbricht deshalb das Spiel. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Das Vergehen durch den Auswechselspieler erfolgt außerhalb des Spielfeldes. Der Auswechselspieler ist mit der Roten Karte auszuschließen und das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortzusetzen.
20. Bei der Strafstoß-Ausführung läuft der Schütze korrekt zum Ball und rutscht vor dem Schuss mit dem Standbein auf aufgeweichtem Boden aus. Dabei berührt er mit diesem Fuß den Ball, der sich etwas bewegt. Danach berührt er den Ball nochmals und schießt ihn im Fallen auf das Tor. Wie ist zu entscheiden, wenn der Ball ins Tor geht?
Wenn auch ungewollt, so wird der Ball zunächst durch das wegrutschende Standbein berührt. Der anschließende Schuss mit dem anderen Fuß muss als zweites Spielen des Balles gewertet werden. Deshalb kann das Tor nicht anerkannt und das Spiel muss mit einem indirekten Freistoß am Strafstoßpunkt fortgesetzt werden.
21. Um das Spiel kurz vor Spielende schnell fortzusetzen, führt der Torwart einen Einwurf aus. Da jedoch nicht ein Mitspieler, sondern ein Gegner näher zum Ball steht, versucht der Torwart, den Ball mit dem Fuß zu erreichen, kann ihn jedoch nur berühren. Damit der Angreifer nicht an den Ball gelangt, hält er den Ball anschließen mit der Hand fest. Er verhindert dadurch eine klare Torchance. Der Schiedsrichter entscheidet nun auf Wiederholung des Einwurfs. War diese Entscheidung richtig?
Nein! Auch der Torwart darf einen Einwurf ausführen. Danach begeht er jedoch zwei Vergehen. Zunächst berührt er den Ball ohne vorherige Berührung durch andere Spieler erneut. Das anschließende Handspiel ist das zweite, schwerere Vergehen. Dies ist mit einem direkten Freistoß zu ahnden. Vor der Ausführung ist der Torwart wegen Verhinderung einer klaren Torchance des Feldes zu verweisen.
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