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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 05/2006 - Lösung


1. Ein Spieler hat mit Kenntnis des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen. Ohne seine Zustimmung läuft er wieder auf das Feld und spielt einem auf das Tor seiner Mannschaft laufenden Angreifer den Ball vom Fuß. Er verhindert dadurch kurz vor der  Torlinie eine klare Torchance. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden? Ort der Spielfortsetzung?
Wenn ein Spieler ohne Zustimmung des Schiedsrichters das Spielfeld betritt und danach einem Gegner kurz vor der Torlinie den Ball vom Fuß spielt, verhindert er im Sinne der Regel 12 keine Torchance. Dieser Spieler ist lediglich wegen des unerlaubten Eintritts zu verwarnen, da das Spielen des Balles mit dem Fuß nicht zu den feldverweiswürdigen Vergehen gehört. Das Spiel ist mit einem indirekten Freistoß auf der Torraumlinie fortzusetzen.


2. Während des laufenden Spiels wechselt ein Spieler mit Kenntnis des Schiedsrichters seine Schuhe auf dem Spielfeld. Als der Wechsel abgeschlossen ist und die „alten” Schuhe außerhalb des Spielfeldes sind, greift dieser Spieler ins Spiel ein und spielt den Ball. Nach der Flanke, die dieser Spieler anschließend vor das Tor schlägt, wird ein Tor erzielt. Muss der Schiedsrichter eingreifen? Worauf muss er achten?
Ein Schuhwechsel ist während des Spiels auf dem Feld erlaubt. Da der Spieler nicht ins Spiel eingreift, hat der Schiedsrichter während und nach dem Schuhwechsel keine Veranlassung, das Spiel zu unterbrechen. Deshalb ist das Tor anzuerkennen, und vor dem Anstoß ist eine Schuhkontrolle durchzuführen.


3. Nach der Freigabe durch den Schiedsrichter täuscht der Schütze bei der Strafstoß-Ausführung den Torwart in unerlaubter Weise. Den ohne weitere Berührung vom Pfosten zurückspringenden Ball nimmt ein Mitspieler des Schützen, der korrekt nach der Ausführung in den Strafraum gelaufen ist, an und schießt den Ball ins Tor. Wie ist durch den Schiedsrichter zu reagieren und zu entscheiden? Ort der Spielfortsetzung?
Der Schiedsrichter sollte, wenn der Ball nach einer unerlaubten Täuschung vom Pfosten ins Feld zurückspringt, das Spiel zur Vermeidung von Konflikt-Situationen sofort unterbrechen. Auch wenn dies nicht sofort erfolgt, darf das Tor nicht anerkannt werden. Wegen des Fehlers des Schützen ist auf indirekten Freistoß am Strafstoßpunkt zu entscheiden.


4. Ein Angreifer verlässt im Blickfeld des Schiedsrichters seitlich des Tores das Spielfeld über die Torlinie und entzieht sich dadurch einer strafbaren Abseitsstellung. Als der Ball in seine Nähe kommt – die Spielsituation ist noch nicht abgeschlossen – läuft er auf das Spielfeld und spielt den Ball. Wie ist nach der Spielunterbrechung zu entscheiden? Ort der Spielfortsetzung?
Zur Vermeidung einer strafbaren Abseitsstellung kann ein Angreifer im Einklang mit den Regeln das Feld über die Torlinie verlassen. Da er jedoch bevor die Situation abgeschlossen ist, wieder über die Torlinie das Feld betritt, handelt er unsportlich. Er ist deshalb zu verwarnen. Das Spiel muss mit einem indirekten Freistoß dort, wo er das Feld betrat, fortgesetzt werden (Regel 11, DFB-Anweisung 5).


5. Ein aussichtsreicher Angriff wird vor dem Strafraum durch ein absichtliches Handspiel unterbunden. Nach dem Pfiff beabsichtigt der Schiedsrichter, den Abwehrspieler zu verwarnen, er stoppt das Spiel jedoch nicht. Bevor er zum Tatort gelangt, spielt ein Angreifer sofort korrekt einen weiteren Angreifer an, der Schiedsrichter greift nicht ein und ein Tor wird erzielt. Wie ist nun zu entscheiden?
Der Schiedsrichter muss, wenn er eine Verwarnung aussprechen will, das Spiel deutlich stoppen. Da er dies nicht getan hat und gegen die Freistoß-Ausführung nicht eingreift, gilt dies als Zustimmung zur Spielfortsetzung. Deshalb ist das Tor anzuerkennen. Eine Verwarnung des Spielers ist nun nicht mehr möglich. Wenn ein Spieler mit „Gelb/Rot” oder „Rot” des Feldes verwiesen werden muss, ist zur Aussprache der Disziplinarstrafe unbedingt ein Eingriff in die Spielfortsetzung erforderlich.


6. Ein Angreifer und ein Abwehrspieler bleiben verletzt am Boden liegen. Da der Schiedsrichter die Verletzungen als schwerwiegend einstuft, gibt er sofort Betreuern beider Teams ein Handzeichen, den Platz zu betreten. Während der Abwehrspieler behandelt werden muss, steht der Angreifer, als seine Betreuer am Ort sind, auf und nimmt keine Behandlung in Anspruch. Dürfen Betreuer ausnahmsweise ohne Befragen des Spielers auf das Feld gerufen werden? Muss der Angreifer das Spielfeld verlassen?
Da der Schiedsrichter beide Verletzungen nach seinem Ermessen als schwerwiegend einstuft, kann er ohne Rücksprache mit den Spielern den Betreuern das Betreten des Feldes gestatten. Unwesentlich ist danach, ob die Spieler die Pflege in Anspruch nehmen. Entscheidend ist, dass die Betreuer mit Zustimmung des Schiedsrichters das Feld betreten haben. Deshalb muss auch der Angreifer, der keine Pflege in Anspruch nimmt, das Feld verlassen.


7. Der Ball gerät ganz knapp über die Torlinie ins Aus. Der Assistent entscheidet auf Eckstoß. Da anschließend der Ball sofort vom Abwehrspieler in Richtung Mittellinie gespielt wird, wendet sich der Schiedsrichter um und sieht deshalb das Fahnenzeichen nicht. Kurz danach unterbricht er wegen eines Fouls das Spiel. Wie muss sich der Assistent verhalten? Entscheidung des Schiedsrichters?
Da der Ball die Torlinie überschritten hatte, muss der Assistent das Fahnenzeichen beibehalten. Nach der Unterbrechung wegen des Fouls müssen beide Assistenten die Freistoß-Ausführung verhindern. Das Spiel ist anschließend mit Eckstoß fortzusetzen.


8. Der Schiedsrichter zeigt einem Spieler nach einem Foulspiel, das eine Verwarnung erfordert, „Gelb/ Rot”. Daraufhin beleidigt der Spieler den Schiedsrichter. Vor der Spielfortsetzung läuft der Assistent auf das Feld und teilt dem Schiedsrichter mit, dass dieser Spieler zuvor noch nicht verwarnt war. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Da der mit „Gelb/Rot” des Feldes verwiesene Spieler zuvor noch nicht verwarnt war, ist die Entscheidung des Schiedsrichters falsch. Sie muss deshalb auf Hinweis des Assistenten geändert werden. „Gelb/Rot” muss daher zurückgenommen und der Spieler mit „Rot” des Feldes verwiesen werden. Vor der Spielfortsetzung mit direktem Freistoß sind beide Spielführer über die Änderung der Entscheidung zu informieren.


9. Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung. Nach dem erfolgreichen Torschuss muss wegen eines Fehlers des Schützen der Strafstoß wiederholt werden. Wie ist zu entscheiden, wenn der Schütze nun den Schiedsrichter in grob unsportlicher Form durch Worte und eine deutliche Geste beleidigt? Sind weitere Maßnahmen erforderlich?
Der Strafstoßschütze ist wegen der Beleidigung mit „Rot” des Feldes zu verweisen. Ein anderer Spieler, der noch keinen Strafstoß ausgeführt hat, muss die erneute Ausführung übernehmen. Weitere Maßnahmen, beispielsweise die Reduzierung der gegnerischen Mannschaft, sind nicht erforderlich.


10. Ein Spieler verlässt aufgrund einer Verletzung mit Kenntnis des Schiedsrichters das Spielfeld und wird nahe der Technischen Zone des Gegners behandelt. Wenig später sieht der Schiedsrichter, wie dieser Spieler einen gegnerischen Spieler, der außerhalb des Feldes neben ihm steht, mit beiden Händen heftig zu Boden stößt. Wie muss entschieden werden, wenn das Spiel deshalb unterbrochen wird und der Schiedsrichter die Ursache für das Stoßen nicht erkannt hat?
Der Spieler verlässt mit Zustimmung des Schiedsrichters das Feld. Daher können Vergehen, die außerhalb des Feldes begangen werden, keine Spielstrafe zur Folge haben. Da der Schiedsrichter das Stoßen mit den Händen erkennt und deshalb das Spiel unterbricht, muss die Spielfortsetzung mit einem Schiedsrichter-Ball erfolgen. Zuvor ist der Spieler des Feldes zu verweisen.


11. Während der Ball im Spiel ist, läuft ein Abwehrspieler zum Schiedsrichter- Assistenten und protestiert heftig wegen einer nach seiner Meinung erforderlichen, aber nicht erfolgten Foulspielanzeige. Er verlässt dabei das Spielfeld und stößt den Assistenten kräftig gegen den Oberkörper. Wie muss der Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden? Ort der Spielfortsetzung ?
Der Spieler verlässt absichtlich das Spielfeld und begeht mit dem Stoßen des Assistenten eine grobe Unsportlichkeit. Das Vergehen muss sofort mit der Fahne angezeigt werden. Nach der Spielunterbrechung ist der Spieler zwingend des Feldes zu verweisen. Spielfortsetzung mit indirektem Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand.


12. Nach der Strafstoß-Ausführung prallt der Ball ohne weitere Berührungen vom Pfosten ins Spielfeld zurück. Bevor der Schütze den zurückspringenden Ball auf das Tor schießen kann, wird er von einem Verteidiger, der vor der Ausführung in den Strafraum gelaufen ist, am Trikot festgehalten und zu Boden gezogen. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Der Verteidiger verhindert durch das Festhalten, dass der Strafstoßschütze den Ball erreicht. Dadurch wird jedoch keine Torchance verhindert, da der direkt zurückspringende Ball vom Schützen nicht gespielt werden darf. Da kein Tor erzielt wurde, und zusätzlich ein Foul erfolgte, muss erneut auf Strafstoß entschieden werden. Für sein Vergehen muss der Verteidiger verwarnt werden.


13. Nach dem absichtlichen Zuspiel mit dem Fuß durch einen Mitspieler nimmt der Torwart auf der Seite des Assistenten außerhalb des Strafraums den Ball mit dem Fuß an. Anschließend läuft er mit dem Ball am Fuß in den Strafraum, nimmt ihn mit den Händen auf und schlägt ihn dann in Richtung Mittellinie ab. Der Schiedsrichter greift nicht ein. Muss der auf dieser Seite postierte Assistent reagieren? Notwendige Entscheidung?
Nach dem absichtlichen Zuspiel des Verteidigers zum Torwart nimmt dieser den Ball mit der Hand auf. Da der Schiedsrichter diese Regelverletzung nicht erkennt, muss der Assistent mit einem Fahnenzeichen reagieren. Das Spiel ist anschließend mit einem indirekten Freistoß am Ort der Ballaufnahme fortzusetzen (Regel 6, DFB-Anweisung 11).


14. Ein Spieler ist verletzt und muss ersetzt werden. Bei der Ausrüstungskontrolle des Auswechselspielers stellt der Assistent fest, dass die Stollen an den Schuhen scharfkantig sind. Wie soll sich der Assistent nun verhalten, und wie muss durch den Schiedsrichter entschieden werden? Darf ein anderer Spieler dafür eintreten?
Wenn der Assistent bei der Ausrüstungskontrolle Mängel feststellt, kann er nicht den Spieleintritt verweigern, sondern muss den Schiedsrichter einschalten (Fahnenzeichen). Dieser trifft die endgültige Entscheidung und veranlasst gegebenenfalls eine Korrektur der Ausrüstung. Natürlich kann ein anderer Auswechselspieler eingesetzt werden; der Wechsel war noch nicht vollzogen.


15. Bei der Strafstoß-Ausführung wird der Ball an den Pfosten geschossen. Der Torwart und der Schütze laufen zum Ball. Zunächst gelingt es dem Schützen, vor dem Torwart an den Ball zu gelangen und ihn anzunehmen. Bevor der Schütze den Ball auf das Tor schießen kann, wird er vom Torwart brutal umgerannt. Wie hätte sich der Schiedsrichter verhalten müssen? Wie ist zu entscheiden?
Wenn der Ball nach der Strafstoß-Ausführung ohne vorherige Berührungen vom Pfosten zurückprallt, soll der Schiedsrichter sofort nach der Ballberührung durch den Schützen das Spiel unterbrechen. Mit der Ballberührung begeht der Schütze das erste Vergehen, das mit einem indirekten Freistoß am Ort der Ballberührung zu ahnden ist. Das brutale Umrennen durch den Torwart ist zuvor mit „Rot” zu ahnden.


16. Bei einem Kopfballduell schlägt ein Verteidiger seinem Gegner den Ellenbogen absichtlich und heftig ins Gesicht. Da der Schiedsrichter das Vergehen nicht erkennt, läuft das Spiel weiter. Nach einigen Spielzügen erfolgt eine Unterbrechung wegen eines Handspiels. Nun hebt ein Assistent die Fahne und unterrichtet dann den Schiedsrichter über den Ellenbogenschlag. Hat sich der Assistent richtig verhalten und wie ist nun zu entscheiden?
Bei einem Vergehen, das einen Feldverweis erfordert, muss der Assistent, wenn der Schiedsrichter nicht eingreift, mit einem sofortigen Fahnenzeichen reagieren. Da jedoch das Spiel nach der Unterbrechung wegen des Handspiels noch nicht wieder fortgesetzt war, muss der Ellenbogenschlag, trotz der verspäteten Meldung, mit „Rot” geahndet werden. Wegen des Schlages Spielfortsetzung mit direktem Freistoß.


17. Ein Angreifer führt in Strafraumnähe korrekt einen weiten Einwurf aus. Den vor dem Tor aufspringenden Ball kann der Torwart nicht erreichen. Um zu verhindern, dass der Ball unmittelbar vor der Torlinie von einem Angreifer ins Tor geköpft wird, hält ein Abwehrspieler den Ball vor der Torlinie mit der Hand auf. Wie muss entschieden werden?
Der Verteidiger hält nach dem Einwurf den Ball direkt vor der Torlinie mit der Hand auf. Deshalb muss auf Strafstoß entschieden werden. Aus einem Einwurf kann ein Tor nicht direkt erzielt werden. Da jedoch dem Angreifer durch das Handspiel die Chance genommen wurde, unmittelbar vor dem Tor eine Torchance zu nutzen, muss der Verteidiger wegen Verhinderung einer Torchance des Feldes verwiesen werden.


18. Kurz vor Ende des Spiels soll auf der Seite des Assistenten ein Eckstoß durch die Mannschaft ausgeführt werden, die knapp im Rückstand liegt. Während des Anlaufs zur Ausführung wirft ein Auswechselspieler, der sich neben dem Tor seiner Mannschaft vorbereitet, einen Ersatzball in den Strafraum. Wie soll sich der Schiedsrichter verhalten und entscheiden?
Grundsätzlich soll die Spielvorbereitung der Auswechselspieler ohne Ball erfolgen. Wenn von einem Auswechselspieler ein Ball im Zuge der Eckstoß-Ausführung in den Strafraum geworfen wird, soll der Schiedsrichter das Spiel sofort unterbrechen. Der Auswechselspieler ist zwingend zu verwarnen. Anschließend ist der Eckstoß erneut auszuführen.


19. Ein Verteidiger hat den Ball im Strafraum unbedrängt gestoppt. Er läuft nun seitlich weg und überlässt dem Torwart den Ball. Dieser läuft mit dem Ball am Fuß zunächst einige Schritte und nimmt ihn dann mit den Händen auf. Der Schiedsrichter greift nicht ein. Wie soll der Assistent reagieren? Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Wenn ein Verteidiger den Ball kontrolliert und absichtlich stoppt und der Torwart anschließend den Ball mit den Händen berührt, gilt dies als absichtliches Zuspiel. Da der Schiedsrichter nicht reagiert, muss der Assistent mit einem Fahnenzeichen das Vergehen anzeigen. Das Spiel ist mit einem indirekten Freistoß am Ort der Ballberührung fortzusetzen (Regel 12, DFB-Anweisung 20).


20. Ein Auswechselspieler, der sich zunächst hinter der Torlinie befindet, läuft unerlaubt auf das Spielfeld und bringt einen Gegner kurz vor dem Torraum durch einen Fußangriff zu Fall. Dadurch verhindert er, dass dieser Spieler eine klare Torchance nutzen kann. Wie ist nach der Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter zu entscheiden? Ort der Spielfortsetzung?
Neben dem unerlaubten Betreten des Feldes begeht der Auswechselspieler durch sein Foulspiel ein weiteres Vergehen, das eine Torchance verhindert. Da dies ein Vergehen nach Regel 12 ist, das mit einem Feldverweis zu ahnden ist, muss der Auswechselspieler mit der Roten Karte ausgeschlossen werden. Das Spiel ist mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortzusetzen.

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