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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 06/2006 - Lösung


1. Auf Wunsch des Schiedsrichters versucht der Assistent, in der Nähe der Seitenlinie den regelgerechten Abstand der Abwehrspieler vor einer Freistoß-Ausführung zu erreichen. Obwohl ihm dies trotz mehrfacher Aufforderungen deutlich nicht gelingt, läuft der Assistent zur Seitenlinie, der Freistoß wird ausgeführt und der Ball von einem Abwehrspieler aufgehalten. Wie hätte durch den Schiedsrichter reagiert und entschieden werden müssen?
Das „Stellen” der „Mauer“ durch den Assistenten sollte nur in wenigen Situationen erfolgen. Wenn jedoch der Assistent eindeutig den korrekten Abstand der Abwehrspieler nicht erreichen kann, muss er den Schiedsrichter informieren. Von ihm ist zumindest der am nächsten zum Ball stehende Spieler zu verwarnen und danach ist der 9,15-Meter-Abstand herzustellen.


2. Ein Abwehrspieler ist bereits wegen eines Haltens, das eine gute Angriffs-Situation verhinderte, verwarnt. Wenig später springt dieser Abwehrspieler einem Angreifer – ohne den Ball erreichen zu können – im Mittelkreis mit gestreckten Beinen von hinten in die Füße. Wie ist nach der Spielunterbrechung zu entscheiden?
Bei der Beurteilung der Situation ist die bereits zuvor ausgesprochene Verwarnung ohne Bedeutung. Da der Verteidiger ein grobes Foul begeht, das die Gesundheit des Gegenspielers gefährdet, muss er für dieses Vergehen des Feldes verwiesen werden. Das Spiel ist mit einem direkten Freistoß fortzusetzen.


3. Der Ball wird absichtlich, aber recht scharf mit dem Fuß vom Abwehrspieler zum Torwart gespielt. Ein Angreifer versucht, dieses Zuspiel zu erreichen. Damit dies nicht gelingt, wirft sich der Torwart zum Ball und kann innerhalb des Torraums den Ball mit der Hand vor dem Angreifer über die Torlinie ins Aus abwehren. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden, wenn dadurch der Angreifer daran gehindert wurde, den Ball ins Tor zu schießen?
Wenn der Ball absichtlich mit dem Fuß von einem Mitspieler zum Torwart gespielt wird, ist das Spielen des Balles mit der Hand durch den Torwart keine Verhinderung einer Torchance im Sinne der Regel 12. Die Berührung ist – da der Torwart im Strafraum den Ball mit der Hand spielen darf – lediglich ein unerlaubtes Spielen des Balles, das mit einem indirekten Freistoß auf der Torraumlinie zu ahnden ist. Eine Disziplinarstrafe ist nicht auszusprechen.


4. Ohne das Spiel nach einer Freistoß-Entscheidung in Strafraumnähe zu stoppen, ermahnt der Schiedsrichter den Spieler, der das Foul beging. Während er mit dem Abwehrspieler spricht, wird der Freistoß in seinem Rücken schnell ausgeführt. Dabei kann er die korrekte Ausführung nicht genau überwachen. Nach einem weiteren Zuspiel wird ein Tor erzielt. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Wenn der Schiedsrichter nach einer Freistoß-Entscheidung einen Spieler ermahnen möchte, muss er das Spiel stoppen. Dies ist nicht erfolgt. Da der Abwehrspieler durch das Gespräch daran gehindert wird, am Spiel teilzunehmen und außerdem die Ausführung des Freistoßes nicht überwacht werden kann, muss das Spiel möglichst sofort unterbrochen werden. Der Ausführung darf nicht zugestimmt werden. Das Tor darf nicht anerkannt und der Freistoß muss deshalb wiederholt werden.


5. Ein Verteidiger verhindert die Ausführung eines Einwurfs, indem er sich zweimal direkt vor den Angreifer stellt. Nachdem der Angreifer den Abwehrspieler mit der Hand weggeschubst hat, wirft er ihm den Ball aus kurzer Entfernung heftig gegen den Rücken. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Der Abwehrspieler behindert und verzögert zweimal die Einwurf- Ausführung. Dafür ist er zwingend zu verwarnen. Das anschließende heftige Anwerfen des Angreifers gegen den Rücken des Verteidigers ist mit einem Feldverweis des Angreifers zu ahnden. Da der Einwurf noch nicht ausgeführt war, darf anschließend ein Angreifer den Einwurf ausführen.


6. Ein Abwehrspieler läuft hinter einem Angreifer und versucht, den Ball zu erreichen. Kurz vor dem Strafraum hält er nun den Angreifer an der Hand fest. Dabei befinden sich Hand und Arm noch außerhalb des Strafraums, der Angreifer aber innerhalb des Strafraums. Nun lässt der Abwehrspieler die Hand, die noch außerhalb des Strafraums ist, los und der Angreifer kommt innerhalb des Strafraums zu Fall. Wie ist zu entscheiden, wenn dadurch eine gute Angriffs-Situation verhindert wurde?
Entscheidend ist, dass der Kontakt des Abwehrspielers mit der Hand und dem Arm des Angreifers außerhalb des Strafraums erfolgt. Dass sich der Körper bereits innerhalb des Strafraums befindet, ist für die Festlegung der erforderlichen Spielstrafe direkter Freistoß nicht entscheidend. Da eine gute Angriffs-Situation verhindert wurde, muss der Abwehrspieler verwarnt werden.


7. Um sich einer strafbaren Abseitsstellung zu entziehen, läuft ein Angreifer über die Torlinie in den Bereich zwischen Netz und Torlinie. Er verhält sich dort ruhig und behindert keinen gegnerischen Spieler. Wie ist zu entscheiden, wenn der Ball ins Tor geschossen wird?
Der Angreifer darf zur Vermeidung einer strafbaren Abseitsstellung in den Netzraum hinter die Torlinie laufen. Da er dort keinen Gegner stört oder behindert, ist das Tor anzuerkennen.


8. Der Ball wird hoch vor das Tor getreten. Ein Angreifer und der Torwart springen hoch und wollen den Ball erreichen. Dabei springt der Angreifer mit der Schulter gegen den Torwart und drückt ihn dabei außerhalb des Torraums beim „Luftkampf” zur Seite. Dadurch kann der Torwart den Ball nicht erreichen und ein weiterer Angreifer erzielt ein Tor. Wie muss entschieden werden?
Wenn ein Angreifer den Torwart in der Luft mit der Schulter anspringt, ist dies ein Foul und kein Rempeln, das in der Luft nicht möglich ist. Dabei ist es unerheblich, ob dieser Angriff gegen den Torwart inner- oder außerhalb des Torraums erfolgt. Das Tor darf daher nicht anerkannt und das Spiel muss mit einem direkten Freistoß fortgesetzt werden.


9. Nach dem Abschlag trifft der Torwart mit dem Ball einen vor ihm in Stellung laufenden Mitspieler am Fuß. Von dort prallt der Ball zum Torwart zurück. Vor einem Angreifer nimmt er den zurückspringenden Ball mit den Händen auf und schlägt ihn anschließend ins Mittelfeld. Wie ist zu entscheiden?
Der Torwart trifft den vor ihm laufenden Mitspieler im Zuge des Abschlags mit dem Ball unabsichtlich am Fuß. Daher liegt kein absichtliches Zuspiel des Mitspielers mit dem Fuß vor. Der Schiedsrichter hat daher keine Veranlassung einzugreifen.


10. Ein Angreifer wird außerhalb des Strafraums kurz am Hemd festgehalten. Noch vor dem Strafraum wird das Halten beendet und der Angreifer läuft in den Strafraum. Da der Angreifer den Ball nun sicher kontrolliert, gewährt der Schiedsrichter „Vorteil”. Kurz danach stolpert der Angreifer und geht zu Boden. Deshalb unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und entscheidet auf Strafstoß. War diese Entscheidung richtig?
Nein! Das Vergehen erfolgte außerhalb des Strafraums. Deshalb ist der Strafstoßpfiff falsch. Außerdem gewährte der Schiedsrichter „Vorteil”, der auch eintrat, da der Ball danach sicher kontrolliert wurde. Ein Vergehen kann innerhalb von drei Sekunden nur noch bestraft werden, wenn der erhoffte Vorteil nicht eintritt und der Ball sich noch im Spiel befindet. Weiterspielen wäre die richtige Entscheidung gewesen!


11. Im Bereich Seiten-/Mittellinie wird ein Angreifer durch einen heftigen, unkontrollierten Fußangriff zu Fall gebracht. Von seiner Position, etwa 20 Meter vom „Tatort” entfernt, läuft der Schiedsrichter mit der Gelben Karte in der Hand zum Abwehrspieler. Als er dort angelangt ist, blickt er mehrfach zum Assistenten. Dieser signalisiert ihm deutlich, dass ein Feldverweis erforderlich ist. Nun wechselt der Schiedsrichter die Karten und spricht einen Feldverweis aus. Richtig gehandelt?
Der Schiedsrichter hätte die Zeit bis zum Erreichen des „Tatorts” ohne Gelbe Karte in der Hand dafür nutzen sollen, seine eigene Entscheidung zweifelsfrei festzulegen. Bei Zweifeln hätte er sich vor der Entscheidung mit dem Assistenten verdeckt abstimmen können. So wäre es ihm erspart geblieben, seine vorgesehene Entscheidung nach deutlichen Hinweisen des Assistenten ändern zu müssen. Der Akzeptanz einer richtigen Entscheidung hätte dies gut getan!


12. Vor einer Strafstoß-Ausführung ist der vorgesehene Schütze eindeutig identifiziert. Nach dem Pfiff des Schiedsrichters läuft jedoch nicht dieser, sondern ein anderer Angreifer zum Ball. Bevor der Schiedsrichter dies bemerkt, erfolgt der Schuss, der vom Torwart ins Feld abgewehrt wird. Wie hätte der Schiedsrichter reagieren müssen und wie ist nun zu entscheiden?
Die Strafstoß-Ausführung erfordert vom Schiedsrichter höchste Konzentration. Wenn ein anderer als der vorgesehene Schütze zur Ausführung anläuft, muss das Spiel sofort unterbrochen werden. Obwohl dies nicht erfolgt ist, muss nun, da nicht der „richtige Schütze” den Strafstoß ausführte, der Strafstoß wiederholt werden. Der „falsche” Schütze ist zu verwarnen.


13. Strafstoß-Ausführung während des Spiels. Nachdem alle Voraussetzungen für die Ausführung geschaffen sind, läuft vor dem Pfiff des Schiedsrichters der identifizierte Schütze an und schießt den Ball neben das Tor. Wie ist durch den Schiedsrichter zu reagieren und zu entscheiden?
Wenn möglich, soll der Schiedsrichter das Spiel vor der Ausführung durch seinen Pfiff unterbrechen. In dieser Situation gelang dies nicht. Da die Ausführung ohne den zwingenden Pfiff des Schiedsrichters erfolgte, muss sie, unabhängig vom Ergebnis, wiederholt werden. Eine Verwarnung ist nicht auszusprechen.


14. Nach dem Schlusspfiff verlässt das Schiedsrichter-Team zusammen mit beiden Mannschaften das Spielfeld. Als der Schiedsrichter und die Spieler beider Teams bereits außerhalb des Feldes den Eingang des „Spielertunnels” erreicht haben, schlägt ein Spieler einen Gegner. Wie muss der Schiedsrichter darauf reagieren und entscheiden?
Für die Beurteilung dieses Vorganges ist es entscheidend, dass sich der Schiedsrichter nicht mehr auf dem Spielfeld befindet. Damit ist die Möglichkeit, Disziplinarstrafen noch aussprechen zu können, nicht mehr gegeben. Deshalb muss der Vorgang lediglich im Spielbericht aufgeführt werden.


15. Durch ein deutliches Festhalten an der Seitenlinie wird eine aussichtsreiche Angriffssituation durch einen Abwehrspieler verhindert. Nach dem Pfiff des Schiedsrichters fordert der benachteiligte Angreifer mit der bekannten deutlichen Geste die Verwarnung des Abwehrspielers. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Das optisch deutliche Fordern einer Disziplinarstrafe für einen Gegenspieler ist als Unsportlichkeit zu werten und deshalb mit einer Verwarnung zu ahnden. Für das Festhalten, das eine aussichtsreiche Angriffs-Situation verhinderte, ist der Abwehrspieler ebenfalls zu verwarnen.


16. Der Ball gelangt in den Bereich der Strafstoßmarke. Dort versucht ein Verteidiger den Ball, der sich etwa 50 Zentimeter vom Boden entfernt befindet, mit dem Fuß zu spielen. Als er bemerkt, dass ein Angreifer versucht, den Ball mit dem Kopf zu erreichen, bricht er den Versuch ab, den Ball mit dem Fuß zu spielen. Der Ball prallt vom Kopf des Angreifers zu einem weiteren Angreifer. Wie muss entschieden werden?
Das Spielen des Balles mit dem Kopf ist grundsätzlich nicht eingeschränkt. Wenn jedoch in einem Bereich, der dem Spiel mit dem Fuß vorbehalten ist, ein Spieler den Ball mit Kopf spielt und dadurch einem Gegner die Möglichkeit nimmt, den Ball mit dem Fuß zu spielen, liegt Gefährliches Spiel vor. Da der Verteidiger den Versuch abbricht, den Ball mit dem Fuß zu erreichen, muss auf indirekten Freistoß gegen den Angreifer entschieden werden.


17. Der Torwart ist bereits wegen einer Reklamation verwarnt. Wenig später bewegt er sich bei einer Strafstoß Ausführung deutlich vor dem Zeitpunkt, wo der Ball gespielt wurde, zu früh von der Torlinie nach vorne und kann dadurch den Ball halten. Wie ist nun durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Der Torwart hat sich vor der Ausführung deutlich zu früh von der Torlinie nach vorne bewegt. Da kein Tor erzielt wurde, muss der Strafstoß wiederholt werden. Eine Verwarnung und somit „Gelb/Rot” für den Torwart ist nicht erforderlich, da diese Regelverletzung erstmalig erfolgte.


18. Nach einem Kopfball kann der Torwart den Ball noch mit einer Hand erreichen. Aus der Sicht des neutralen Assistenten hat der Ball jedoch die Torlinie vollkommen überschritten. Er hebt deshalb die Fahne und bleibt dann wenige Meter von der Eckfahne entfernt stehen. Deshalb wertet der Schiedsrichter das Fahnenzeichen als Abseitsstellung und entscheidet auf indirekten Freistoß. Welche Reaktion des Assistenten wäre richtig gewesen und was muss er nun tun? Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Wenn der Assistent überzeugt ist, dass der Ball die Torlinie überschritten hat, soll er dies bei knappen Entscheidungen mit erhobener Fahne anzeigen und anschließend in Richtung Mittellinie laufen. Da nun auf Freistoß entschieden wird, muss der Assistent mit dem Ruf-/Meldezeichen den Schiedsrichter zu sich rufen und der Schiedsrichter muss, da der Ball die Torlinie überschritten hatte, auf Tor entscheiden.


19. Im Bereich der Seitenlinie – in der Nähe des neutralen Assistenten – unterbricht der Schiedsrichter wegen eines Handspiels das Spiel. Deutlich nach der Unterbrechung prallt der Ball über die Seitenlinie. Nachdem der schuldige Spieler vom Schiedsrichter ermahnt wurde, wird das Spiel mit einem Einwurf fortgesetzt. Wie hätte der Assistent reagieren müssen?
Es gehört mit zu den Aufgaben des Assistenten, darauf zu achten, wie, durch wen und wo der Ball nach einer Spielunterbrechung ins Spiel gebracht wird. Wenn dem Schiedsrichter bei der Spielfortsetzung ein offensichtlicher Fehler unterläuft, muss der Assistent sofort mit seinem Fahnenzeichen reagieren. Damit wird der Spielfortsetzung nicht zugestimmt und das Spiel kann anschließend mit einem Freistoß fortgesetzt werden.


20. Nach einer Freistoß-Entscheidung zeigt der Schiedsrichter an, dass der Angreifer zur Ausführung berechtigt ist. Trotzdem nimmt ein Verteidiger den Ball in die Hand diskutiert mit dem Angreifer und reklamiert beim Schiedsrichter. Um den Freistoß schnell ausführen zu können, versucht nun der Angreifer, dem Abwehrspieler den Ball aus der Hand zu reißen. Dabei schiebt er ihn zusätzlich leicht mit der Hand. Entscheidungen?
Nach der klaren Freistoß-Entscheidung für den Angreifer verzögert der Abwehrspieler offensichtlich die Spielfortsetzung, da er den Ball in die Hand nimmt und diskutiert. Dies führt zur Gegenreaktion des Angreifers, der den Ball „erkämpfen” will und den Gegner wegschiebt. Beide, der Verursacher und auch der Angreifer, sind zu verwarnen. Spielfortsetzung mit einem Freistoß.

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