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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 02/2007 - Lösung
1. Der Schiedsrichter verdeutlicht eine Freistoß-Entscheidung für die Angreifer mit einem Handzeichen. Nachdem sich einige Verteidiger vom Freistoßort entfernt haben, läuft ein weiterer Verteidiger von etwa zehn Metern Entfernung zum Ball und stellt sich direkt vor ihn. Der Angreifer schießt nun den vor ihm stehenden Verteidiger an, der dadurch den Ball kontrollieren kann. Wie ist zu entscheiden?
Einige Abwehrspieler haben sich vom Ball entfernt. Da der Abwehrspieler danach absichtlich über eine längere Distanz zum Freistoßort läuft und sich direkt vor den Ball stellt, verhindert er vorsätzlich die Spielfortsetzung. Nach der Ausführung kontrolliert er den Ball; deshalb müssen das Spiel unterbrochen, der Freistoß wiederholt und der Verteidiger verwarnt werden.
2. Ein Abwehrspieler spielt den Ball aus größerer Entfernung kontrolliert mit dem Fuß in Richtung seines Torwarts. Der Torwart drückt den aufspringenden Ball in der Nähe der Strafraumquerlinie mit der Hand kurz zu Boden. Anschließend nimmt er, nachdem er einige Schritte mit dem Ball am Fuß gelaufen ist, den Ball mit den Händen auf und schlägt ihn ab. Der Schiedsrichter, der in der Spielfeldmitte steht, greift nicht ein. Richtig entschieden?
Offensichtlich konnte der Schiedsrichter von der Spielfeldmitte die seitlich erfolgte Ballberührung mit der Hand wegen der fehlenden Seitensicht nicht erkennen. Da das Zuspiel kontrolliert erfolgte, muss die richtige Entscheidung indirekter Freistoß am Ort, wo der Ball bei der ersten Berührung mit der Hand gespielt wurde, lauten. Wenn der Assistent das Vergehen eindeutig erkennt, muss er dies mit der Fahne anzeigen.
3. Ein Spieler wurde ausgewechselt und der „neue“ Spieler befindet sich bereits mit Zustimmung des Schiedsrichters auf dem Feld. Bevor das Spiel fortgesetzt wird, sieht der Schiedsrichter, wie der ausgewechselte Spieler mit einer grob unsportlichen Geste gegen seine Auswechslung protestiert. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Da der Spieler das Feld verlassen und der „neue“ Spieler mit Zustimmung des Schiedsrichters den Platz betreten hat, ist der Auswechselvorgang abgeschlossen. Trotzdem muss auf die grob unsportliche Geste des ausgewechselten Spielers mit seinem Verweis aus der Technischen Zone reagiert werden. Dieser wird durch Zeigen der Roten Karte verdeutlicht. Seine Mannschaft darf mit elf Spielern das Spiel fortführen.
4. Ein Abwehrspieler und ein Angreifer springen an der Torraumgrenze zum Ball. Trotz des sich dabei ergebenden Körperkontakts erkennt der gut postierte Schiedsrichter das erzielte Tor an. Nach einem Fahnenzeichen des Assistenten, der ein Foul des Angreifers beim „Luftkampf“ anzeigt, entscheidet der Schiedsrichter nun auf Freistoß für den Abwehrspieler. Haben sich Assistent und Schiedsrichter richtig verhalten?
Der Assistent soll im Strafraum nur ganz eindeutige Vergehen anzeigen, die der Schiedsrichter nicht wahrnimmt. Dies war sicher hier nicht erfolgt, da der Schiedsrichter den Körperkontakt aus guter Position nicht als Foul erkannte. Auch die deutlich größere Entfernung zum „Tatort“ ist ein weiterer Grund für den Assistenten, nicht einzugreifen. Deshalb hätte der Schiedsrichter das Fahnenzeichen ignorieren und das Tor anerkennen sollen.
5. Der Schiedsrichter gibt den Ball zur Freistoß-Ausführung durch ein deutliches Handzeichen frei. Unmittelbar danach läuft ein Verteidiger vor dem Schuss aus der „Mauer“ klar nach vorne. Dabei berührt er anschließend den Ball. Nach dem deshalb erfolgten Pfiff prallt der abgefälschte Ball ins Tor. War das Verhalten des Schiedsrichters richtig und wie ist zu entscheiden?
Wenn nach der Freigabe zur Freistoß-Ausführung ein Abwehrspieler zu früh aus der „Mauer“ nach vorne läuft, soll das Spiel nicht unterbrochen und zunächst das Ergebnis der Ausführung abgewartet werden (Vorteil abwarten). Da das Spiel vor dem Zeitpunkt, wo der Ball im Tor war, unterbrochen wurde, kann das Tor nicht anerkannt werden. Der Freistoß ist zu wiederholen und der schuldige Abwehrspieler ist zu verwarnen.
6. Ein Spieler soll ausgewechselt werden. Beim Verlassen des Spielfelds zieht er sich sein Trikot aus, läuft aber ohne Verzögerung der Auswechslung zur Seitenlinie und verlässt das Spielfeld. Soll der Schiedsrichter diesen Spieler wegen des Ausziehens des Trikots verwarnen?
Nein! Der Spieler verlässt ohne den Spielablauf zu verzögern das Spielfeld. Er begeht auch keine anderen Handlungen, die unsportlich und damit zu bestrafen wären. Deshalb ist das Ausziehen des Trikots in diesem Zusammenhang keine Unsportlichkeit.
7. Bevor der Ball bei der Strafstoß-Ausführung im Spiel ist, laufen Spieler beider Teams in den Strafraum/Teilkreis. Der Torwart kann den Ball abwehren, der danach zu einem zu früh in den Strafraum gelaufenen Angreifer prallt. Dieser schießt den Ball ins Tor. Wie soll der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Wenn Spieler beider Teams vor der Strafstoß-Ausführung in den Strafraum laufen, soll das Spiel sofort unterbrochen werden, wenn der Torwart den Ball abwehrt. Das im Nachschuss erzielte Tor kann nicht anerkannt werden. Der Strafstoß muss, da Spieler beider Teams zu früh in den Strafraum gelaufen waren, wiederholt werden.
8. Bei der Strafstoß-Ausführung laufen, bevor der Ball im Spiel ist, zwei Angreifer zu früh in den Strafraum. Der Torwart kann den Ball abwehren, der zu einem dieser Angreifer prallt. Dieser Angreifer kann den Ball ins Tor schießen. Wie hätte der Schiedsrichter reagieren müssen und wie muss nun entschieden werden?
Als der Ball vom Torwart abgewehrt wurde, hätte der Schiedsrichter das Spiel sofort unterbrechen müssen. Da ein Spieler der angreifenden Mannschaft zu früh in den Strafraum läuft, kann sein im Nachschuss erzieltes Tor nicht anerkannt werden. Spielfortsetzung mit einem indirekten Freistoß dort, wo der Spieler den Strafraum betreten hatte.
9. Eine strafbare Abseitsposition wird vom Assistenten mit der Fahne signalisiert. Bevor der Schiedsrichter das Fahnenzeichen erkennt, schlägt im folgenden Zweikampf der Verteidiger dem Angreifer, der sich zuvor in strafbarer Abseitsposition befand, die Hand ins Gesicht. Deshalb unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und sieht nun das Fahnenzeichen des Assistenten. Entscheidungen?
Das erste Vergehen war die vom Assistenten angezeigte strafbare Abseitsposition. Diese Anzeige sollte der Schiedsrichter akzeptieren und zur Grundlage seiner Entscheidung machen. Deshalb muss auf indirekten Freistoß am Ort der Abseitsstellung entschieden werden. Der anschließende Schlag des Verteidigers ist mit einem Feldverweis zu ahnden.
10. Das Spiel ist nach einem Foul an einem Verteidiger unterbrochen. Nun läuft ein Auswechselspieler, der sich neben dem Tor auf eine Einwechslung vorbereitet, über die Torlinie in den Strafraum. Anschließend spricht er in nicht unsportlicher Form wegen des Fouls auf den Angreifer ein. Wie ist zu entscheiden?
Der Auswechselspieler betritt ohne Zustimmung des Schiedsrichters während der Spielruhe den Strafraum. Dafür muss er verwarnt werden. Da keine unsportliche Reklamation erfolgte, ist eine weitere Verwarnung nicht erforderlich. Das Spiel ist anschließend wegen des Fouls mit einem direkten Freistoß für die verteidigende Mannschaft fortzusetzen.
11. Bevor der Ball bei der Strafstoß-Ausführung durch den Schützen gespielt wird, läuft ein Verteidiger in den Strafraum. Der Ball wird vom Torwart abgewehrt und prallt in die Richtung des Strafstoßschützen. Bevor dieser den Ball auf das Tor schießen kann, wird er von dem Verteidiger, der zu früh in den Strafraum gelaufen ist, festgehalten. Er kann dadurch den Ball nicht erreichen. Wie ist zu entscheiden?
Der Strafstoßschütze darf den Ball, da er vom Torwart abgewehrt wurde, sofort wieder spielen. Durch das Halten des zu früh in den Strafraum gelaufenen Verteidigers wird der Strafstoßschütze jedoch daran gehindert, eine klare Torchance wahrzunehmen. Deshalb ist der Verteidiger für dieses zweite, schwerere Vergehen mit einem Feldverweis zu bestrafen. Spielfortsetzung natürlich mit einem Strafstoß.
12. Kurz vor dem Strafraum wird ein Angreifer deutlich festgehalten. Er bleibt zwar danach am Ball, ist aber von Abwehrspielern umgeben und kann den Ball nur nach einem weiteren Zweikampf behaupten und ihn dann unkontrolliert zu einem in unmittelbarer Nähe stehenden weiteren Angreifer spielen, der ebenfalls von Gegnern umgeben ist. War die Entscheidung „Vorteil“ richtig?
Die Gewährung von „Vorteil“ ist nur dann sinnvoll, wenn sich danach eine eindeutige Angriffssituation ergibt. Diese war bei dem beschriebenen Vorgang nicht gegeben, da der Angreifer nach dem Halten zwar im Ballbesitz blieb, aber von Gegnern umgeben war. Auch sein Mitspieler konnte danach den Ball nicht ungehindert annehmen. Der richtige „Vorteil“ wäre die Entscheidung Freistoß vor dem Strafraum und „Gelb“ wegen Haltens gewesen.
13. Kurz nach Spielbeginn erfolgt während des laufenden Spiels ein Fahnenzeichen des Assistenten. Nach der deshalb erfolgten Spielunterbrechung unterrichtet der Assistent den Schiedsrichter darüber, dass durch den Torwart an der Torraumgrenze mit dem Fuß eine deutliche Markierung vorgenommen wurde. War das Fahnenzeichen richtig und wie ist zu entscheiden?
Das Fahnenzeichen des Assistenten war falsch. Es soll bei diesem Vergehen erst erfolgen, wenn das Spiel unterbrochen ist. Das Anbringen einer Markierung ist als Unsportlichkeit zu werten. Trotz der fälschlich erfolgten Unterbrechung ist der Torwart hierfür zu verwarnen. Spielfortsetzung mit einem indirekten Freistoß an der Torraumlinie (Regel 1, DFB-Anweisung 6).
14. Bei einem Bezirksligaspiel wird ein Spieler des Feldes verwiesen. Er verlässt danach die nähere Umgebung des Spielfelds. Als ein Spieler seiner Mannschaft verletzt ist, betritt dieser zuvor ausgeschlossene Spieler zusammen mit dem Trainer zur ersten Versorgung des Spielers das Feld. Wie muss sich der Schiedsrichter verhalten und wie muss er entscheiden?
Ein des Feldes verwiesener Spieler darf bis Spielende in keiner Funktion mehr das Spielfeld betreten. Dies betrifft auch eine mögliche Versorgung eines Spielers. Der Schiedsrichter muss diesen zuvor mit „Rot” des Feldes verwiesenen Spieler vom Feld und aus der Nähe des Spielfeldes weisen. Der Trainer kann alleine die erste Versorgung übernehmen.
15. Nach einem Angreiferfoul kurz hinter der Mittellinie unterbricht der Schiedsrichter das Spiel. Obwohl er mit einem zusätzlichen Handzeichen diese Entscheidung verdeutlicht, nimmt der Angreifer den Ball in die Hand und läuft etwa 15 Meter in seine Spielfeldhälfte zurück. Erst jetzt wirft er den Ball auf den Boden. Wie ist zu entscheiden?
Die Absicht des Angreifers ist eindeutig: Er will durch die Mitnahme des Balles verhindern, dass die gegnerische Mannschaft den Freistoß schnell ausführen und damit einen Vorteil nutzen kann. Für die dadurch erreichte Verzögerung der Spielaufnahme muss der Angreifer verwarnt werden. Spielfortsetzung wegen des Fouls mit direktem Freistoß.
16. Freistoß seitlich des Strafraums für die Angreifer. Nachdem die „Mauer“ korrekt steht, gibt der Schiedsrichter das Spiel frei. Der scharf geschossene Ball prallt gegen den seitlich des Kopfes hochgehaltenen Arm eines Abwehrspielers, der offensichtlich dabei sein Gesicht schützen wollte. Wie ist zu entscheiden, wenn der Abwehrspieler innerhalb des Strafraums steht?
Der erhobene Arm neben dem Kopf ist keine normale, natürliche Hand-/Armhaltung und ist deshalb als absichtliches Handspiel zu werten. Da der Ball innerhalb des Strafraums berührt wird, muss auf Strafstoß entschieden werden. Eine Disziplinarstrafe ist normalerweise nicht erforderlich.
17. Da die Ausführung eines indirekten Freistoßes an der Strafraumgrenze sehr schnell erfolgt, gelingt es dem Schiedsrichter nicht mehr, einen Arm zu heben. Deshalb schießt der Angreifer den Ball direkt auf das Tor. Der Torwart kann den Ball abwehren, der anschließend über die Torlinie ins Aus rollt. Wie ist zu entscheiden?
Durch einen Fehler des Schiedsrichters – der Arm wurde vor der Ausführung eines indirekten Freistoßes nicht gehoben – ist der ausführenden Mannschaft kein Nachteil
entstanden. Der Ball wird direkt auf das Tor geschossen und dann vom Torwart gehalten. Deshalb ist nun, da der Ball über die Torlinie ins Aus rollt, auf Eckstoß zu entscheiden.
18. Der Schiedsrichter entscheidet auf indirekten Freistoß für die Angreifer im Strafraum. Um einen Vorteil möglichst zu nutzen, spielt der Angreifer schnell den Ball zu einem Mitspieler. Dieser erzielt unmittelbar danach ein Tor. Bei der Ausführung ruhte der Ball eindeutig nicht. Wie hätte der Schiedsrichter reagieren müssen? Entscheidung?
Die Regelbestimmungen sind einzuhalten: Der Ball muss vor der Freistoß-Ausführung zwingend ruhen. Deshalb hätte das Spiel sofort nach der Ausführung unterbrochen werden müssen. Obwohl dies offensichtlich nicht so schnell möglich war, darf der Schiedsrichter dieser Spielfortsetzung nicht zustimmen. Das Tor darf nicht anerkannt werden. Der Freistoß muss erneut ausgeführt werden.
19. Bei einem Zweikampf unmittelbar an der Seitenlinie trifft der Verteidiger deutlich mit gestreckten Füßen nicht den in Spielnähe befindlichen Ball, sondern mit hoher Intensität die Füße des Angreifers. Er bringt ihn dadurch zu Fall. Bevor der Schiedsrichter wegen des Fouls das Spiel unterbrechen kann, prallt der vom Angreifer berührte Ball über die Seitenlinie ins Aus. Wie ist zu entscheiden?
Dem Schiedsrichter muss zum Treffen einer Entscheidung eine Reaktionszeit eingeräumt werden. Zum Zeitpunkt des Vergehens befand sich der Ball im Spiel. Deshalb muss es, obwohl der Ball beim Pfiff außerhalb des Feldes war, mit einem direkten Freistoß bestraft werden. Wegen des groben Fouls mit gestreckten Füßen muss der Verteidiger des Feldes verwiesen werden.
20. Nach einem Zweikampf in der Nähe der Torlinie geraten ein Verteidiger und ein Angreifer über die Torlinie außerhalb des Spielfelds. Während der Ball im Spiel bleibt, stößt der Verteidiger den Angreifer – immer noch außerhalb des Spielfelds – heftig zu Boden. Wie ist zu entscheiden, wenn der Schiedsrichter deshalb das Spiel unterbricht?
Beide Spieler befinden sich außerhalb des Spielfelds. Somit kann das Stoßen des Verteidigers nicht mit einer Spielstrafe geahndet werden. Das Spiel kann nur mit einem Schiedsrichter-Ball unter Beachtung der Torraum-Regelung dort, wo sich der Ball befand, fortgesetzt werden. Zuvor muss der Verteidiger wegen des heftigen Stoßes des Feldes verwiesen werden.
21. Kurz nach der Halbzeit wird ein Tor erzielt. Noch vor dem Anstoß stellt der Schiedsrichter fest, dass der Torschütze ein Spieler ist, der als Auswechselspieler ab der zweiten Halbzeit ohne Anmeldung am Spiel teilnimmt. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden, wenn er sich nach der Halbzeitpause nicht nach möglichen Wechseln erkundigt hatte?
Wenn nach der Halbzeit eine Befragung der Spielführer erfolgt wäre, hätte diese Situation verhindert werden können. Die Mannschaft des Torschützen spielte trotz des Spielerwechsels mit nur elf Spielern. Der eingewechselte Spieler wird auch ohne Anmeldung mit der Ausführung des Anstoßes zum Spieler. Das Tor ist daher anzuerkennen (Regel 3, DFB-Anweisung 10). Eine Verwarnung wird nicht ausgesprochen. Vor dem Anstoß ist die Ausrüstung des Spielers zu kontrollieren.
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