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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 04/2007 - Lösung


1.  Ein Angreifer kann am Torwart vorbeilaufen und den Ball in Richtung Tor schießen. Auf der Torlinie steht nur noch ein Verteidiger. Direkt vor ihm behindert ihn ein Angreifer, der sich beim Torschuss vor dem Ball befand und nur noch diesen Verteidiger vor sich hat, in der Sicht. Trotz eines Rettungsversuchs des Verteidigers rollt der Ball ins Tor. Wie müssen der Assistent und Schiedsrichter entscheiden?
Im Moment des Torschusses befindet sich der Angreifer vor dem Ball und hat nur noch einen Abwehrspieler vor sich. Durch seine Position unmittelbar vor dem Verteidiger behindert er ihn bei der Abwehr und greift so ins Spiel ein. Der Assistent muss daher diese strafbare Abseitsstellung mit der Fahne anzeigen und der Schiedsrichter auf indirekten Freistoß entscheiden.


2. Ein Spieler befindet sich wegen einer Verletzung hinter der Torlinie. Danach läuft er ohne Zustimmung des Schiedsrichters während des laufenden Spiels auf das Feld. Der Assistent erkennt dies, greift aber wegen einer Vorteil-Situation nicht ein. Als wenig später das Spiel wegen eines Fouls unterbrochen wird, informiert er den Schiedsrichter über den unerlaubten Spieleintritt, kann aber den schuldigen Spieler nicht mehr benennen. Wie hätte der Assistent reagieren müssen?
Der Assistent handelt zunächst richtig, wenn er wegen einer Vorteil-Situation auf ein Fahnenzeichen erst einmal verzichtet. Er muss jedoch diesen Spieler fixieren und danach bei der nächsten Spielunterbrechung dessen Verwarnung veranlassen. Nicht akzeptabel ist eine Meldung, ohne den schuldigen Spieler benennen zu können. Deshalb muss der Schiedsrichter die Verwarnung unterlassen. Spielfortsetzung mit direktem Freistoß.


3. Das Spiel wird nach einer umkämpften Schlussphase abgepfiffen. Kurz danach kommt es zu einem Wortgefecht zwischen zwei gegnerischen Spielern. Zusätzlich schubst ein Spieler, der während des Spiels bereits verwarnt wurde, den Gegner mit beiden Händen gegen die Brust. Der Schiedsrichter, der sich noch mit den Spielern auf dem Feld befindet, sieht nur diese Aktion. Wie muss er reagieren?
Da sich der Schiedsrichter nach Spielschluss noch auf dem Spielfeld befindet, kann er noch Disziplinarstrafen aussprechen. Das Wortgefecht hat der Schiedsrichter nicht wahrgenommen; deshalb kann er darauf nicht reagieren. Das Schubsen ist, da der schuldige Spieler bereits verwarnt war, mit „Gelb/Rot“ zu ahnden.


4. Ein Verteidiger begeht eine verwarnungswürdige Regelübertretung. Da sich eine klare Vorteil-Situation ergibt, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel nicht. Er beabsichtigt, die Verwarnung in der nächsten Unterbrechung auszusprechen. Bevor dies erfolgen kann, verhindert dieser Spieler durch ein absichtliches Handspiel einen
Torerfolg. Wie ist nun zu entscheiden?
„Vorteil“ ist nach einem verwarnungswürdigen Foul nur in klaren Angriffs-Situationen zu gewähren. Da unmittelbar danach durch ein absichtliches Handspiel ein Tor verhindert wurde, war diese offenbar gegeben. Für die Verhinderung des Torerfolgs muss der Verteidiger mit „Rot“ des Feldes verwiesen werden. Der Vorgang, der zuvor mit „Gelb“ zu ahnden gewesen wäre, ist zusätzlich im Spielbericht aufzuführen. Spielfortsetzung mit Strafstoß.


5. Vor der Einwurf-Ausführung stellt der Schiedsrichter sicher, dass sich ein Verteidiger zwei Meter von der Seitenlinie entfernt befindet. Bevor der Ball bei der Ausführung die Hand des Angreifers verlassen hat, verkürzt der Verteidiger die Entfernung deutlich und kann so den Ball spielen. Wie ist zu entscheiden?
Da der Verteidiger die vorgeschriebene Entfernung von zwei Metern bis zum Zeitpunkt, wo der Ball die Hände des Angreifers verlässt, verkürzt, handelt er unsportlich. Das Spiel muss, da der Verteidiger den Ball spielen kann, unterbrochen werden. Vor der Spielfortsetzung mit indirektem Freistoß ist der Verteidiger zu verwarnen.


6. Der Schiedsrichter, der ohne neutrale Assistenten leitet, ist mit der Durchführung von zwei Spielerwechseln beschäftigt. Deshalb bemerkt er nicht, dass ein Team zusätzlich im Rahmen des Auswechselkontingents auch den Torwart wechselt. Nachdem das Spiel fortgesetzt wurde und der Torwart den Ball an der Strafraumgrenze aufnimmt, bemerkt der Schiedsrichter diesen Wechsel und unterbricht deshalb das Spiel. Wie ist zu entscheiden?
Der „neue Torwart“ nimmt ohne Zustimmung des Schiedsrichters am Spiel teil und gehört deshalb noch nicht zur Mannschaft. Das Spiel ist deshalb mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortzusetzen. Der Torwart ist zuvor zu verwarnen. Der Spielerwechsel ist zu notieren.


7. Der Ball befindet sich im Strafraum. Nun ertönt ein deutlicher Pfiff, der jedoch nicht vom Schiedsrichter, sondern durch einen Zuschauer erfolgt. Deshalb stellen zwei gegnerische Spieler den Versuch, den Ball zu erreichen, ein. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Durch den Pfiff, der offensichtlich aus dem Zuschauerbereich erfolgte, wurde in den Spielablauf eingegriffen. Deshalb soll der Schiedsrichter sofort selbst das Spiel unterbrechen. Er verhindert dadurch weitere Komplikationen (Handspiel!). Falls möglich, sollte eine entsprechende Lautsprecher-Durchsage veranlasst oder über den Spielführer Einfluss auf die Zuschauer ausgeübt werden. Spielfortsetzung mit Schiedsrichter-Ball.


8. Ein Auswechselspieler, der zunächst auf der Bank in der Technischen Zone sitzt, springt nach einem Zweikampf an der Seitenlinie auf und läuft bis an die Seitenlinie. Dabei protestiert er auch optisch deutlich wegen eines Fouls, das vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde. Da der Gegner nicht im Ballbesitz ist, unterbricht der Schiedsrichter deshalb das Spiel. Wie muss er entscheiden?
Da der Auswechselspieler die Technische Zone in Richtung Seitenlinie verlässt und zusätzlich deutlich protestiert, handelt er unsportlich. Deshalb ist er zu verwarnen. Das Vergehen erfolgte außerhalb des Spielfeldes; daher kann keine Spielstrafe ausgesprochen werden. Spielfortsetzung mit Schiedsrichter-Ball.


9. Der Schiedsrichter hat mit dem Pfiff die Strafstoß-Ausführung freigegeben. Während der Schütze anläuft, sieht er, wie ein Angreifer außerhalb des Strafraums einem Gegner einen Tritt versetzt. Der Schütze erzielt direkt ein Tor. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Zunächst hat der Schiedsrichter richtig reagiert und die Ausführung, was ohnehin bei dem schnellen Ablauf kaum möglich gewesen wäre, nicht unterbrochen. Bei einem Vergehen eines Mitspielers des Schützen muss der Strafstoß wiederholt werden, wenn ein Tor erzielt wurde. Dies trifft auch auf den Tritt des Angreifers zu. Der Angreifer ist des Feldes zu verweisen und der Strafstoß zu wiederholen.


10. Nachdem ein Tor erzielt wurde, kommt es zu Protesten von Abwehrspielern, weil sie der Meinung sind, dass zuvor eine strafbare Abseitsstellung gegeben war. Nach der Torentscheidung, aber vor dem Anstoß, verlässt der Torwart aus Protest das Spielfeld und lehnt sich gegen die Zuschauer-Barriere. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Da der Torwart das Spielfeld unerlaubt mit unsportlichem Hintergrund verlässt, muss ihn der Schiedsrichter verwarnen. Ohne Torwart auf dem Feld kann das Spiel nicht fortgesetzt werden. Deshalb muss der Torwart wieder das Spielfeld betreten. Erst danach darf der Anstoß erfolgen.


11. Während des laufenden Spiels sieht der Schiedsrichter, wie der Torwart mit Wucht eine Trinkflasche gegen einen Zuschauer wirft, der neben dem Tor und hinter der Barriere steht. Wie soll der Schiedsrichter reagieren und entscheiden, wenn der Torwart innerhalb seines Torraums steht und der Anlass des Wurfs für ihn nicht erkennbar ist?
Der  Wurf mit der Trinkflasche richtet sich nicht gegen einen Gegner, sondern gegen einen Zuschauer, der außerhalb des Spielfelds getroffen wird. Dabei ist Freistoß-Ort („Tatort“) der Ort des Vergehens. Somit muss auf indirekten Freistoß an der Torraumlinie entschieden werden. Zuvor muss der Torwart des Feldes verwiesen werden.


12. Das Spiel wird nach der Halbzeit von der Heimmannschaft mit dem Anstoß fortgesetzt. Allerdings übersieht der Schiedsrichter, dass von der Gastmannschaft der Torwart noch nicht auf dem Spielfeld ist. Der Ball wird direkt auf das Tor geschossen und ein Tor wird erzielt. Wie muss entschieden werden?
Der Schiedsrichter beging einen elementaren Fehler: Er überprüfte vor dem Anstoß nicht, ob sich auch der Torwart auf dem Spielfeld befand. Trotz dieser zwingenden Regelbestimmung ist mit dem Anstoß das Spiel fortgesetzt worden, der Ball kam korrekt ins Spiel. Somit muss das Tor anerkannt werden. Vor dem Anstoß muss der Torwart wieder das Feld betreten haben.


13. Ein Verteidiger, der sich innerhalb seines Strafraums befindet, schlägt einem Angreifer mit dem Ellenbogen ins Gesicht. Gleichzeitig ist der Ball in der gegnerischen Spielfeldhälfte im Spiel. Wie soll der Schiedsrichter-Assistent reagieren, wenn er den Vorgang erkennt? Wie ist zu entscheiden?
Für die Entscheidung ist von Bedeutung, dass sich der Ball im Moment des Vergehens im Spiel befand und sich das Vergehen im Strafraum ereignete. Der Assistent muss das Vergehen sofort mit der Fahne anzeigen. Nach der Information des Schiedsrichters muss, da der Verteidiger den Schlag ausführte, auf Strafstoß entschieden werden. Der Verteidiger muss des Feldes verwiesen werden.


14. Während der Spielentscheidung durch Schüsse von der Strafstoßmarke muss der Torwart eines Teams wegen einer grob unsportlichen Geste des Feldes verwiesen werden. Der Spielführer der betroffenen Mannschaft möchte nun, da zuvor noch keine drei Spieler ausgewechselt wurden, einen neuen Torwart einwechseln und dafür einen Feldspieler vom Feld nehmen. Darf der Schiedsrichter zustimmen?
Der Schiedsrichter darf diesem Wunsch nicht zustimmen. Während der Schüsse von der Strafstoßmarke kann nur der Torwart ersetzt werden, wenn er verletzt ist und das Auswechselkontingent noch nicht ausgeschöpft ist. Weitere Wechsel sind nicht möglich. Der Ersatz eines des Feldes verwiesenen Spielers ist ohnehin nicht möglich.


15. Ein Verteidiger wird neben dem Tor, hinter der Torlinie, gepflegt. Nachdem ein Angreifer am Torwart vorbeigelaufen ist, schießt er den Ball auf das Tor. Nun läuft der Verteidiger ohne Zustimmung des Schiedsrichters ins Spielfeld und versucht, den Ball mit der Hand aufzuhalten. Er kann den Ball nur berühren, der anschließend ins Tor fliegt. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Neben dem unerlaubten Betreten des Spielfeldes begeht der Verteidiger mit dem Handspiel ein zweites Vergehen. Da der Ball trotz des Handspiels ins Tor gelangt, ist in Anwendung der Vorteil-Bestimmung auf Tor zu entscheiden. Für den unerlaubten Spieleintritt ist der Verteidiger zunächst zu verwarnen und anschließend für das Handspiel, da noch ein Tor erzielt wurde, nur mit „Gelb/Rot“ des Feldes zu verweisen.


16. Der Schiedsrichter-Assistent zeigt an, dass der Ball nach einer Berührung durch einen Verteidiger knapp die Torlinie überschritten hat. Da der Schiedsrichter das Fahnenzeichen nicht erkennt, kann ein Angreifer den Ball vor das Tor schießen. Nach wenigen Ballberührungen wird ein Tor erzielt. Wie muss sich der Assistent verhalten und der Schiedsrichter dann entscheiden?
Der Ball war aus dem Spiel. Deshalb muss der Assistent das Fahnenzeichen beibehalten und nicht in Richtung Mitte laufen. Wenn vom Schiedsrichter weiterhin das Fahnenzeichen nicht gesehen wird, müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, den Anstoß zu verhindern. Das Tor darf nicht anerkannt werden. Das Spiel muss mit Eckstoß fortgesetzt werden.


17. Ein Angreifer läuft mit dem Ball am Fuß alleine auf das Tor zu. Nachdem er von einem Verteidiger festgehalten wurde, fallen beide Spieler auf den Boden. Der Ball prallt dabei vom Fuß des Verteidigers zu einem weiteren, nicht in Abseitsposition befindlichen Angreifer. Dieser kann den Ball ungehindert ins Tor schießen. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Es ist „Vorteil“ zu gewähren und das Tor ist anzuerkennen. Der Versuch des Verteidigers, dem Angreifer eine offensichtliche Torchance zu nehmen, ist aber trotzdem zu ahnden. Da anschließend ein Tor erzielt wurde, ist der Verteidiger nur zu verwarnen. Spielfortsetzung mit Anstoß.


18. Ein Verteidiger steht korrekt einen Meter von der Seitenlinie entfernt und will den Ball bei einem Einwurf zu einem Mitspieler werfen, der sich in der Nähe der Seitenlinie befindet. Als er den Ball parallel zur Seitenlinie ins Spiel bringen will, überschreitet er die Linie jedoch nicht und tippt außerhalb des Feldes auf den Boden auf. Wie muss nun entschieden werden?
Der Ball wurde von der richtigen Position maximal einen Meter von der Seitenlinie entfernt eingeworfen. Da der Ball jedoch nicht innerhalb des Spielfeldes, sondern außerhalb des Feldes auf den Boden tippte, gelangte er nicht ins Spiel. Deshalb muss der Einwurf erneut durch einen Spieler der gleichen Mannschaft ausgeführt werden.


19. Während des laufenden Spiels werden von Betreuern Trinkflaschen ins Spielfeld geworfen. Wie soll der Schiedsrichter reagieren, wenn er dies wahrnimmt?
Den Spielern ist es gestattet, während einer Spielunterbrechung Getränke zu sich zu nehmen. Allerdings ist es nicht zulässig, Trinkflaschen ins Spielfeld zu werfen. Deshalb muss der Schiedsrichter veranlassen, dass sich die Spieler zur Seitenlinie begeben und die dort außerhalb des Feldes abgestellten oder auch zugereichten Flaschen nutzen.


20. Ein Angreifer läuft mit dem Ball am Fuß alleine in zentraler Position in den Strafraum. Der hinter ihm laufende Verteidiger hält ihn über längere Zeit am Hemd fest. Dadurch verliert der Angreifer die Kontrolle über den Ball und kommt in „Rücklage“. Nun lässt der Verteidiger los und der Angreifer kann nach einem Schritt den Ball unkontrolliert auf das Tor schießen. Der Torwart kann so den Ball halten. Entscheidung?
Zunächst war die Entscheidung richtig, das Spiel nicht sofort zu unterbrechen. Als jedoch der Angreifer den Ball, nachdem er losgelassen wird, nur unkontrolliert auf das Tor schießen kann und der Torwart den Ball hält, muss das Spiel unterbrochen werden. Durch das Praktizieren des verzögerten Pfiffs ist auf Strafstoß zu entscheiden. Der Verteidiger muss wegen Verhinderung einer klaren Torchance des Feldes verwiesen werden.


21. Nach einem Zweikampf vor dem Assistenten zeigt dieser kein Foulspiel an. Darüber ist der Verteidiger so verärgert, dass er nach Meinung des Schiedsrichters aus kurzer Entfernung den Ball scharf auf den Assistenten tritt. Dies gelingt nicht, da der Ball ganz knapp am Kopf des Assistenten vorbei fliegt. Wie ist nach der Spielunterbrechung zu entscheiden?
Auch wenn der Ball den Assistenten ganz knapp verfehlt, so begeht der Verteidiger mit dem Versuch, den Assistenten mit dem scharfen Schuss zu treffen, eine grobe Unsportlichkeit. Da sich das Vergehen nicht gegen einen Gegner richtet, muss das Spiel, da der Ball im Spiel war, mit einem indirekten Freistoß am Ort, wo der Verteidiger stand, fortgesetzt werden. Zuvor muss der Verteidiger des Feldes verwiesen werden.

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