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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 01/2008 - Lösung
1. Vor der Strafstoß-Ausführung befindet sich ein Verteidiger mit Kenntnis des Schiedsrichters wegen einer Verletzung außerhalb des Spielfelds, seitlich neben dem Tor. Als die Ausführung durch den Pfiff freigegeben wird, läuft dieser Verteidiger, bevor der Ball im Spiel ist, auf das Spielfeld. Wie muss entschieden werden, wenn der Ball neben das Tor getreten wird?
Wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft bei der Strafstoß-Ausführung gegen die Regel 14 verstößt, muss der Strafstoß wiederholt werden, wenn kein Tor erzielt wurde. Der Verteidiger, der ohne Zustimmung des Schiedsrichters das Feld betrat, muss außerdem verwarnt werden.
2. Ein Spieler befindet sich wegen einer Verletzung außerhalb des Spielfelds und beleidigt einen Gegner, der kurz zuvor ein Foulspiel begangen hatte. Deshalb verlässt dieser das Feld und stößt den verletzten Spieler heftig zu Boden. Wie ist zu entscheiden, wenn der in unmittelbarer Nähe befindliche Schiedsrichter beide Vorgänge wahrgenommen hat und deshalb das Spiel unterbricht?
Die Beleidigung durch den verletzten Spieler ist das erste Vergehen, das zunächst mit einem Feldverweis zu bestrafen ist. Da sich der Spieler bei seinem Vergehen außerhalb des Feldes befand, kann das Spiel nach dem Pfiff nur mit einem Schiedsrichter-Ball fortgesetzt werden. Zuvor muss der Spieler, der das Feld verließ, wegen des heftigen Stoßes ebenfalls des Feldes verwiesen werden.
3. Vor der Einwurf-Ausführung weist der Schiedsrichter einen Verteidiger auf zwei Meter Entfernung vom Angreifer zurück. Bevor der Ball die Hand verlassen hat, verkürzt der Verteidiger deutlich die Distanz unter zwei Meter. Darüber verärgert, wirft der Angreifer den Ball heftig gegen den Kopf des hochspringenden Verteidigers. Wie ist zu entscheiden?
Zunächst wurde vorbeugend die richtige Entfernung des Verteidigers von zwei Metern durchgesetzt. Danach begeht der Verteidiger mit der deutlichen Verkürzung des Abstands das erste Vergehen. Dafür muss er verwarnt und das Spiel nach dem Pfiff mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt werden. Zuvor ist der Angreifer wegen des heftigen Anwerfens des Feldes zu verweisen.
4. In der Schlussphase wird von einer Mannschaft das Führungstor erzielt. Beim anschließenden Torjubel zieht nun ein Mitspieler dem Torschützen das Trikot über den Kopf. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Zum angemessenen Torjubel gehört nicht, dass sich ein Spieler sein Hemd über den Kopf zieht. Da dies im angeführten Fall nicht durch den Torschützen erfolgt, sondern ein Mitspieler dem Torschützen das Hemd über den Kopf zieht, ist der Mitspieler wegen der Unsportlichkeit zu verwarnen. Zusätzlich fordert der Schiedsrichter den Spieler auf, das Hemd wieder anzuziehen und in die eigene Spielfeldhälfte zu laufen. Wenn ein Spieler die Wiederaufnahme des Spiels verzögert, muss er verwarnt werden.
5. Nach einer Freistoß-Entscheidung zeigt der Schiedsrichter deutlich an, dass die Angreifer zur Ausführung des Freistoßes berechtigt sind. Da nun ein Verteidiger den Ball in die Hand nimmt, versucht ein Angreifer ihm den Ball aus der Hand zu reißen. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Der Schiedsrichter sollte durch sofortige „Tatort-Präsenz“ versuchen, weitere Eskalationen zu verhindern. Danach ist der Verteidiger zwingend zu verwarnen, da er durch das Halten des Balls einen Zusammenstoß provoziert und die Spielaufnahme verzögert (Regel 12, Zusatzbestimmungen der FIFA, Verzögerung der Wiederaufnahme des Spiels). Gegen den Angreifer ist nur dann „Gelb“ erforderlich, wenn seine Aktion heftig und unsportlich ist. Spielfortsetzung nach dem Pfiff mit direktem Freistoß.
6. Während der Halbzeit wird der Schiedsrichter vom Spielführer informiert, dass der Spieler mit der Nummer 13 eingewechselt wird. Nach Betreten des Spielfelds vor Beginn der zweiten Halbzeit – der neue Spieler befindet sich auf dem Spielfeld – möchte der Spielführer die Einwechslung rückgängig machen. Wie ist durch den Schiedsrichter zu entscheiden?
Da der Schiedsrichter während der Halbzeitpause über den gewünschten Wechsel informiert wurde, und der Auswechselspieler mit der Nummer 13 sich bereits vor Beginn der zweiten Halbzeit auf dem Spielfeld befindet, ist der Spielerwechsel abgeschlossen. Der
Wechsel kann somit nicht mehr rückgängig gemacht werden.
7. Die Behandlung des stark verletzten Torwarts dauert so lange, dass er mit Zustimmung der Mannschafts-Verantwortlichen, da kein Ersatztorwart verfügbar ist, außerhalb des Spielfelds weiter behandelt wird. Seinen Platz nimmt ein entsprechend gekleideter Feldspieler ein. Wenig später läuft nun der behandelte Torwart ohne Zustimmung des Schiedsrichters auf das Feld und hält den Ball mit der Hand vor Überschreiten der Torlinie auf. Wie ist zu entscheiden?
Der behandelte Torwart begeht zwei Vergehen: Er betritt ohne Zustimmung des Schiedsrichters das Feld und spielt danach zur Verhinderung eines Tores den Ball absichtlich mit der Hand. Da er noch zur Mannschaft und zum Spiel gehört, ist von zwei Vergehen das Schwerere, das Handspiel, zu bestrafen. Deshalb ist auf Strafstoß und Feldverweis des Torwarts zu entscheiden.
8. Spielentscheidung durch „Schüsse von der Strafstoßmarke“. Ein Strafstoß muss wiederholt werden, da der Schütze unsportlich täuscht und dafür auch verwarnt wird. Unmittelbar danach beleidigt der Schütze deshalb den Schiedsrichter. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Der Schütze muss mit der Roten Karte des Feldes verwiesen werden. Der Gegner wird nicht um einen Spieler reduziert. Ein anderer Spieler, der zur Ausführung berechtigt ist, muss den Schuss erneut ausführen.
9. Ein Torschuss prallt gegen die Unterkante der Latte, von dort auf den Boden und anschließend ins Spielfeld. Aus der Sicht des Schiedsrichters ist es nicht klar, ob sich dabei der Ball auf oder völlig hinter der Torlinie befand. Wie sollen der neutrale Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden, wenn der Ball die Torlinie völlig überschritten hatte?
Wenn der Schiedsrichter-Assistent sicher ist, dass der Ball die Torlinie völlig überschritten hat, hebt er die Fahne und läuft schnell etwa 25 Meter in Richtung Mittellinie. Aufgrund dieser Reaktion entscheidet der Schiedsrichter mit einem deutlichen Pfiff auf Tor und Anstoß.
10. Bei einem Abwehrversuch gelingt es dem Verteidiger, den Ball nur ungenau zu treffen. Er verursacht dadurch einen Eckstoß. Der Torwart ist über den Verteidiger so verärgert,
dass er ihn an den Schultern packt und zu Boden stößt. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Der Torwart handelt gewaltsam und begeht eine Tätlichkeit, wenn er seinen Mitspieler so deutlich anfasst und zu Boden stößt. Dafür muss er des Feldes verwiesen werden. Da das Spiel zum Zeitpunkt des Vergehens ruhte, ist keine Spielstrafe möglich. Das Spiel ist nach dem Pfiff mit Eckstoß fortzusetzen.
11. Ein Spieler ist leicht verletzt und begibt sich mit Kenntnis des Schiedsrichters an die Seitenlinie. Er verlässt das Spielfeld jedoch nicht und wird ungefähr einen Meter innerhalb des Spielfelds behandelt. Der Aufforderung des Assistenten, sich außerhalb des Spielfelds zu begeben, kommt er nicht nach. Als sich das Spielgeschehen in seine Nähe verlagert, greift er ins Spiel ein. Wie müssen der Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden?
Trotz der Aufforderung des Assistenten, das Spielfeld zu verlassen, lässt sich der Spieler innerhalb des Feldes behandeln. Da Behandlungen von Spielern nur außerhalb des Feldes zulässig sind, erfolgt der Spieleingriff unerlaubt und muss mit der Fahne angezeigt werden. Der Spieler muss verwarnt und das Spiel nach dem Pfiff mit indirektem Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortgesetzt werden.
12. Der Ball wird weit über das Tor getreten. Um das Spiel möglichst schnell wieder mit Abstoß fortzusetzen, holt der Torwart den Ball und schießt ihn zum Verteidiger. Obwohl der Torwart noch nicht auf dem Feld ist, wird der Abstoß schnell ausgeführt. Der Ball gelangt direkt außerhalb des Strafraums zu einem Angreifer, der ihn sofort auf das Tor schießt. Inzwischen ist der Torwart auf das Feld gelaufen und kann den Ball gerade noch neben das Tor lenken. Wie ist zu entscheiden?
Um den Ball zu holen, hat der Torwart das Spielfeld erlaubt verlassen. Obwohl der Torwart noch nicht auf dem Spielfeld war, bestand für den Schiedsrichter keine Veranlassung, gegen die Ausführung des Abstoßes einzuschreiten. Das Risiko bei der schnellen Ausführung des Abstoßes lag bei seiner Mannschaft. Das Spiel ist daher mit Eckstoß fortzusetzen.
13. Nach einem Zweikampf wird der Ball vom Verteidiger abgespielt. Unmittelbar danach versucht der Verteidiger, seinem Gegenspieler einen Faustschlag zu versetzen. Dieser erkennt den Schlag und kann durch ein schnelles Wegdrehen zur Seite dem Schlag ausweichen. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden, wenn er den Vorgang erkennt?
Schlagen ist gewaltsames Spiel und mit einem Feldverweis zu ahnden. Dies gilt auch dann, wenn nach Meinung des Schiedsrichters der Gegner eindeutig getroffen werden sollte, dem Schlag aber noch ausweichen konnte. Somit ist, obwohl kein Kontakt gelang, der schlagende Spieler des Feldes zu verweisen. Das Spiel ist nach dem Pfiff mit direktem Freistoß fortzusetzen.
14. Angreifer und Verteidiger laufen zum Ball. Bevor sie in Spielnähe des Balles sind, täuscht der Angreifer nahe der Torlinie im Strafraum ohne Berührung durch den Verteidiger ein Foulspiel vor und fällt zu Boden. Unmittelbar danach gelangt der Ball über die Torlinie. Nun fordert der Verteidiger mit deutlicher Geste eine Verwarnung für seinen Gegner. Wie ist zu entscheiden?
Während der Ball noch im Spiel ist, täuscht der Angreifer ein Foul vor. Deshalb ist auf indirekten Freistoß am Ort der versuchten Täuschung zu entscheiden. Zusätzlich ist dieser Spieler zu verwarnen. Aber auch der Verteidiger handelt unsportlich, da er für einen
Gegner durch eine klare Geste eine Verwarnung fordert. Auch dieser Spieler ist zu verwarnen. Das Spiel ist anzupfeifen.
15. Ein Verteidiger spielt den Ball kontrolliert zu seinem Torwart. Da das Zuspiel halbhoch erfolgt, drückt der Torwart den Ball mit einer Hand zu Boden und spielt den Ball nach wenigen Schritten mit dem Fuß zu einem Mitspieler. Nun unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, verwarnt den Torwart und entscheidet auf indirekten Freistoß dort, wo der Ball mit der Hand berührt wurde. Wurde richtig entschieden?
Da der Ball vom Torwart nach einem kontrollierten Zuspiel eines Mitspielers mit der Hand berührt wurde, war die Entscheidung indirekter Freistoß dort, wo die Berührung erfolgte, richtig. Für eine unerlaubte Berührung mit der Hand ist jedoch keine Verwarnung auszusprechen (Entscheidung 2 IFAB, Regel 12).
16. Ein Auswechselspieler wartet an der Seitenlinie auf die Einwechslung. Als sich das Spielgeschehen in seinen Bereich verlagert, läuft er nach einem fairen Zweikampf auf das Spielfeld. Bevor der Schiedsrichter das Spiel deshalb unterbrechen kann, wird er von einem Gegner mit den Händen zu Boden gezogen. Nun erst erfolgt die Unterbrechung. Wie ist zu entscheiden?
Das erste Vergehen, der unerlaubte Spieleintritt, muss mit einem indirekten Freistoß am Ort,
wo sich der Ball befand, geahndet werden. Außerdem ist der Auswechselspieler zu verwarnen. Für den unsportlichen Einsatz der Hände ist der Gegner ebenfalls zu verwarnen. Das Spiel ist anzupfeifen.
17. Der Ball wird vor das Tor getreten. Kurz vor der Torlinie spielt ein Verteidiger den Ball in Kopfhöhe grob fahrlässig mit dem Fuß. Er verhindert dadurch, dass ein Angreifer, der in unmittelbarer Nähe den Ball ins Tor köpfen wollte, den Ball erreichen kann. Eine klare Möglichkeit, ein Tor zu erzielen, wird dadurch verhindert. Wie muss entschieden werden?
Der Verteidiger spielt in unmittelbare Nähe des Angreifers den Ball in gefährlicher, unerlaubter Weise mit dem Fuß. Da dem Angreifer, der nahe der Torlinie steht, die Möglichkeit genommen wird, eine klare Torchance zu nutzen, muss der Verteidiger mit der Roten Karte des Feldes verwiesen werden. Nach dem Pfiff erfolgt die Spielfortsetzung mit indirektem Freistoß auf der Torraumlinie (Zusatzbestimmungen der FIFA, Regel 12, Gefährliches Spiel).
18. Der Schiedsrichter gibt das Spiel mit dem Pfiff zur zweiten Halbzeit frei. Bei der Mannschaft, die nicht den Anstoß ausführt, fehlt jedoch der Torwart, der sich noch auf dem Weg aus der Kabine befindet. Als der Angreifer sieht, dass kein Torwart im Tor steht, schießt er den Ball in Richtung Tor. Dies erkennt auch gleichzeitig der Schiedsrichter. Wie muss er reagieren und dann entscheiden?
Der Schiedsrichter versäumte vor dem Anpfiff, die Anzahl der Spieler und die Anwesenheit beider Torhüter zu überprüfen. Ohne Torhüter darf das Spiel nach der Halbzeit nicht angepfiffen werden. Da er den fehlenden Torhüter unmittelbar danach bemerkt, muss er das Spiel sofort unterbrechen. So wird verhindert, dass der Ball weiter in Richtung Tor gelangen kann. Das Spiel ist mit Schiedsrichter-Ball fortzusetzen.
19. Kurz vor Spielende läuft der Torwart vor einem Eckstoß in den gegnerischen Strafraum. Er erreicht jedoch den Ball nicht, der von einem Verteidiger sofort in die gegnerische Spielfeldhälfte zu einem Mitspieler getreten wird. Dabei steht im Moment der Ballabgabe nur noch ein Verteidiger näher der Torlinie als der Angreifer selbst. Unmittelbar danach erzielt der Angreifer ein Tor. Entscheidung?
Da sich der Torwart im Moment der Ballabgabe in der anderen Spielfeldhälfte befand, stand nur noch ein Abwehrspieler dem eigenen Tor näher als der Torschütze. Deshalb liegt eine strafbare Abseitsstellung vor; das Tor darf deshalb nicht anerkannt werden. Spielfortsetzung mit indirektem Freistoß dort, wo sich der Angreifer im Moment des Abspiels befand.
20. Vor der Eckstoß-Ausführung auf „seiner Seite“ bemängelt der Schiedsrichter, dass der Ball nur teilweise auf der Linie des Viertelkreises liegt. Er fordert deshalb den Eckstoß-Schützen auf, den Ball vollständig innerhalb des Teilkreises zu positionieren. Das folgende Streitgespräch endet mit der Verwarnung des Eckstoß-Schützen. War die Vorgehensweise des Schiedsrichters richtig?
Nein! Vor der Eckstoß-Ausführung liegt der Ball korrekt, wenn er noch mit Teilen die Linie des Viertelkreises berührt. Deshalb war die Entscheidung des Schiedsrichters, eine Positionierung ausschließlich innerhalb des Teilkreises zu fordern, falsch. Die sich durch das Streitgespräch ergebenden Verwarnung wäre somit vermeidbar gewesen.
21. Das Spiel wird wegen eines Fouls im Bereich der Seitenlinie unterbrochen. Anschließend rollt der Ball über die Seitenlinie. Bei der Ermahnung des schuldigen Spielers kommt es zu einer Diskussion. Danach wird das Spiel mit einem Einwurf durch einen Verteidiger fortgesetzt. Wie hätten der in der Nähe postierte neutrale Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden müssen?
Es gehört zu den Aufgaben des Assistenten, darauf zu achten, dass nach einer Spielunterbrechung das Spiel am richtigen Ort und durch die richtige Spielfortsetzung wieder aufgenommen wird. Deshalb hätte der Assistent sofort mit einem Fahnenzeichen oder Zuruf auf die falsche Spielfortsetzung Einwurf reagieren und das Spiel unterbrochen werden müssen. Danach die richtige Entscheidung: Direkter Freistoß. |