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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 02/2008 - Lösung
1. Ein Angreifer und der Torwart versuchen, zum Ball zu springen. Bevor sie deshalb zusammenprallen, spielt der Angreifer absichtlich den Ball mit der Hand, der jedoch knapp neben das Tor fliegt. Beim Zusammenprall verletzen sich beide Spieler und werden längere Zeit auf dem Feld gepflegt. Als beide wieder spielbereit sind, will der Schiedsrichter das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball fortsetzen. Wie muss der Assistent reagieren und der Schiedsrichter entscheiden?
Der Assistent muss sofort versuchen, die Spielfortsetzung zu verhindern. Dies kann mit der Signalfahne, Rufen oder durch auf das Feld laufen erfolgen. Auch ein Fahnenzeichen ist möglich, ist aber wohl nicht schnell genug wirksam. Danach muss der Angreifer wegen des unsportlichen Handspiels verwarnt und das Spiel nach dem Pfiff mit direktem Freistoß fortgesetzt werden (Regel 12, Zusatzbestimmungen der FIFA,
Verwarnung unsportliches Betragen).
2. Bei der Ausführung eines Schusses während der „Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung“ täuscht der Schütze den Torwart, da er vor dem Ball den Anlauf unterbricht und nach einem weiteren Schritt den Ball auf das Tor schießt. Der Ball prallt gegen Pfosten, anschließend an den Rücken des Torwarts und von dort ins Tor. Wie muss entschieden werden?
Wenn ein Tor erzielt wurde, ist auch während der „Schüsse von der Strafstoßmarke“ bei jedem Vergehen des ausführenden Spielers der Stoß zu wiederholen. Unbedeutend ist, dass der Ball nicht direkt, sondern nach dem Pfostenabpraller erst vom Rücken des Torwarts ins Tor prallt. Die Wirkung des Stoßes war der Torerfolg. Der gleiche Schütze muss, nachdem er wegen der unsportlichen Täuschung verwarnt wurde, erneut den Strafstoß ausführen.
3. Vor der Strafstoß-Ausführung befindet sich ein Angreifer mit Wissen des Schiedsrichters wegen der Behandlung einer Verletzung seitlich des Tores, hinter der Torlinie. Als der Torwart den Ball nach korrekter Ausführung zur Seite abwehren kann, läuft dieser Angreifer ohne Zustimmung des Schiedsrichters auf das Feld und versucht, den Ball auf das Tor zu schießen. Reaktion und Entscheidung des Schiedsrichters?
Um weitere Problem-Situationen zu vermeiden, soll der Schiedsrichter das Spiel sofort unterbrechen und so einen möglichen Torschuss verhindern. Der Angreifer muss verwarnt und das Spiel nach dem Pfiff mit einem indirekten Freistoß dort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortgesetzt werden.
4. Wenige Meter innerhalb des Strafraums bringt der Torwart einen frei auf das Tor zulaufenden Angreifer durch einen Fußangriff zu Fall und verhindert so, dass der für ihn nicht mehr erreichbare Ball auf das leere Tor geschossen werden kann. Noch am Boden liegend, kann der Angreifer den Ball unkontrolliert in Richtung Tor schießen. Der Schiedsrichter entscheidet auf „Vorteil“. Einem Verteidiger gelingt es aber, den Ball noch vor der Torlinie zu erreichen. Wie ist zu entscheiden?
Durch das Foul des Torwarts kommt der Angreifer zu Fall und wird dadurch um eine klare Torchance gebracht. Der gewährte „Vorteil“ kann nicht ungehindert und kontrolliert genutzt werden, weil der Ball noch vor der Torlinie aufgehalten wird. Deshalb ist der verzögerte Pfiff zu praktizieren. Da der Ball für den Torwart nicht mehr erreichbar war, muss er des Feldes verwiesen und das Spiel mit Strafstoß fortgesetzt werden.
5. In der dem Assistenten zugewandten Strafraumseite gelangt der Ball einem Verteidiger, der den Arm deutlich vom Körper abgewinkelt hat, nach einem Schuss aus etwa zehn Metern Entfernung an den Arm. Der Schiedsrichter reagiert nicht, da er an der gegenüberliegenden Strafraumseite postiert und ihm dadurch die Sicht durch den Körper des Verteidigers verdeckt ist. Muss der Assistent reagieren? Mögliche Schiedsrichter-Entscheidung?
Da der Schuss aus größerer Entfernung erfolgt und der Arm vom Körper in einer unnatürlichen Haltung abgewinkelt ist, begeht der Verteidiger ein absichtliches Handspiel. Da der Schiedsrichter nicht reagiert, muss, da das Handspiel klar und eindeutig ist, vom Assistenten ein Fahnenzeichen erfolgen. Es muss danach auf Strafstoß entschieden werden. Eine Verwarnung erscheint nicht erforderlich.
6. Der Assistent zeigt mit der Fahne an, dass der Ball (nach der Berührung durch einen Verteidiger) die Torlinie neben dem Tor knapp überschritten hat. Da der Schiedsrichter auf das Zeichen nicht reagiert, kann ein Angreifer den Ball vor das Tor schießen. Ein weiterer Angreifer erzielt unmittelbar danach ein Tor. Wie muss der Assistent reagieren, wenn der Schiedsrichter das Tor anerkennt? Entscheidung?
Da der Ball die Torlinie überschritten hatte, muss der Assistent sein Fahnenzeichen beibehalten und nicht in Richtung Mittellinie laufen. Der Schiedsrichter, der ohne Berücksichtigung des Fahnenzeichens falsch auf Tor entschieden hat, muss aufgrund der Reaktion des Assistenten das Tor annullieren und auf Eckstoß entscheiden.
7. Während des laufenden Spiels prallt der Ball gegen einen „Vereins-Linienrichter“, der auf der Seitenlinie steht. Von dort gelangt der Ball zu einem Angreifer, der dadurch einen Angriff starten kann. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Die „Vereins-Linienrichter“ haben nur wenige Kompetenzen. Normalerweise zeigen sie nur an, wenn der Ball die Seitenlinie überschritten hat. Trotzdem nehmen sie eine
offizielle Funktion wahr. Deshalb bleibt der Ball im Spiel, wenn er gegen einen „Vereins-Linienrichter“ prallt, der auf der Seitenlinie steht. Der Schiedsrichter darf deshalb nicht eingreifen.
8. Juniorenspiel im Landesverband, bei dem die Aussprache von Zeitstrafen möglich ist. Ein ausgewechselter Spieler läuft auf das Spielfeld und schießt ohne die Verhinderung eines Angriffs vor einem Gegner den Ball weg. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden, wenn dieser Spieler bereits mit einer Verwarnung belastet ist?
Wenn die Aussprache von Zeitstrafen möglich ist, kann kein Feldverweis mit „Gelb/Rot“ ausgesprochen werden. Da der Spieler bereits ausgewechselt war, muss er wegen des unerlaubten Spieleintritts mit der Roten Karte aus der Nähe des Spielfeldes gewiesen werden. Nach dem Pfiff ist das Spiel mit einem indirekten Freistoß am Ort, wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand, fortzusetzen.
9. Der Assistent zeigt die Tätlichkeit eines Angreifers außerhalb des Blickfelds des Schiedsrichters mit der Fahne an. Bevor der Schiedsrichter das Fahnenzeichen erkennt, unterbricht er wegen eines unsportlichen Handspiels eines Verteidigers das Spiel. Wie ist zu entscheiden, wenn er das Fahnenzeichen nun erkennt?
Bei Vergehen von Spielern unterschiedlicher Mannschaften ist das erste mit der Spielstrafe zu ahnden. Dies ist die Tätlichkeit des Angreifers. Dafür ist das Spiel mit einem direkten Freistoß am Tatort fortzusetzen. Der schuldige Spieler ist des Feldes zu verweisen. Der Spieler, der das unsportliche Handspiel beging, ist zu verwarnen. Das Spiel ist mit dem Pfiff freizugeben.
10. Nach der Unterbrechung wegen eines Fouls bildet sich in der Nähe der Seitenlinie eine Spieleransammlung. Bevor der Schiedsrichter die Situation klären kann, läuft ein Auswechselspieler zu dieser Spielergruppe und packt einen Gegner heftig an den Hals. Danach läuft er schnell vom Feld und entfernt sich in Richtung Kabinengang. Dem Schiedsrichter gelingt es nicht mehr, diesem Spieler die Rote Karte zu zeigen. Wie muss er nun reagieren?
Zunächst müssen alle notwendigen Entscheidungen gegen die Spieler getroffen werden, die sich auf dem Feld befinden. Da der schuldige Auswechselspieler für den Schiedsrichter nicht mehr erreichbar ist, teilt der Schiedsrichter auf dem Feld dem zuständigen Spielführer den erforderlichen Feldverweis mit. Dabei zeigt er die Rote Karte und gleichzeitig mit der Hand in Richtung Kabinengang.
11. Der Torwart hat den Ball gefangen und hält ihn mit den Händen vor der Brust fest. Ein Angreifer läuft nun auf den Torwart zu und stößt mit seiner Brust gegen den Ball und die Hände. Dadurch kommt der Torwart nach hinten ins Stolpern und gerät mit dem Ball über die Torlinie ins Tor. Wie ist zu entscheiden?
Der Torwart befindet sich im Torraum und darf, da er im Ballbesitz ist, gerempelt werden. Der Angriff mit der Brust ist jedoch kein erlaubtes Rempeln, sondern Verbotenes Spiel, das mit einem direkten Freistoß zu bestrafen ist. Ob der Angreifer zu verwarnen ist, hängt von der Heftigkeit des Angriffs ab und liegt im Ermessen des Schiedsrichters.
12. Vor einer Freistoß-Ausführung postiert sich ein Angreifer seitlich hinter der „Mauer“. Dadurch steht er vor dem vorletzten Abwehrspieler. Nach der Ausführung wird der Ball von einem Verteidiger abgefälscht und prallt zu diesem Angreifer, der danach leicht ein Tor erzielen kann. Wie ist zu entscheiden?
Bei der Ausführung befand sich der Angreifer zwar in einer Abseitsstellung, griff aber zunächst in keiner Weise ins Spiel ein. Als der Ball danach unkontrolliert von einem Verteidiger zu ihm prallt, zieht er nun einen Vorteil aus seiner Abseitsposition, da er den Ball spielt. Möglichst jetzt, aber spätestens nach dem Torerfolg, muss auf indirekten Freistoß am Ort des Spieleingriffs entschieden werden.
13. Ein Angreifer wird wegen einer Verletzung im Strafraum gepflegt. Die Betreuer dieses Spielers geben ein Zeichen, dass dieser Spieler ausgewechselt werden muss. Während sich der verletzte Spieler noch auf dem Feld befindet, erlaubt der Assistent dem Auswechselspieler das Betreten des Platzes. Kurz danach verzichten die Betreuer auf den Spielerwechsel, da der verletzte Spieler nun doch einsatzbereit ist. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Der Auswechselspieler darf das Feld erst betreten, wenn der verletzte Spieler den Platz verlassen und der Schiedsrichter dem Wechsel zugestimmt hat. Diese beiden Voraussetzungen für einen regelgerechten Spielerwechsel waren nicht erfüllt. Der Assistent hat falsch gehandelt, als er dem Auswechselspieler das Betreten des Feldes erlaubte. Der behandelte Spieler darf weiter am Spiel teilnehmen. Er muss aber das Spielfeld verlassen und auf das Zeichen des Schiedsrichters zum Wiedereintritt warten, nachdem das Spiel fortgesetzt ist. Der Auswechselspieler muss das Feld verlassen.
14. Nach einem verwarnungswürdigen Foulspiel in der Nähe des Assistenten kommt es nach dem Pfiff zu einer Spieleransammlung. Nachdem mit Hilfe des Assistenten die Situation beruhigt wurde, verwarnt der Schiedsrichter wegen des Fouls ohne vorherige Abstimmung mit dem Assistenten den falschen Spieler. Wie muss der Assistent nun reagieren und der Schiedsrichter entscheiden?
Da sich der Vorgang in der Nähe des Assistenten ereignete, muss er den schuldigen Spieler „fixiert“ haben. Auch wenn der Schiedsrichter es versäumte, ihn vor der Entscheidung einzubeziehen, so muss er, wenn für ihn der Fehler eindeutig ist, die Spielfortsetzung durch sofortige Einflussnahme auf dem Platz verhindern. Der Schiedsrichter muss die Verwarnung rückgängig machen und den „richtigen Spieler“ verwarnen. Nach dem Pfiff wird der direkte Freistoß ausgeführt.
15. Während des laufenden Spiels beleidigt der Trainer einen Spieler der gegnerischen Mannschaft verbal und zusätzlich durch eine grob unsportliche Geste. Deshalb nimmt der im Feld befindliche Spieler eine an der Seitenlinie stehende Trinkflasche und wirft sie dem Trainer an den Körper. Da der Schiedsrichter beide Vorgänge wahrnimmt, unterbricht er das Spiel. Wie muss er entscheiden?
Die Beleidigung durch den Trainer war das erste Vergehen, das zu bestrafen ist. Der Trainer ist dafür aus der Technischen Zone und der Spielfeldnähe zu verweisen. Für den Wurf mit der Flasche muss der Spieler mit der Roten Karte des Feldes verwiesen werden. Spielfortsetzung mit einem Schiedsrichter-Ball.
16. Nach einem Torerfolg feiern die Angreifer ausgiebig hinter dem Tor. Danach sind einige der Angreifer wieder in ihrer eigenen Spielfeldhälfte. Zwei weitere Angreifer befinden sich noch hinter dem Tor, als der Schiedsrichter trotzdem das Spiel wieder anpfeift. Nun laufen die beiden Angreifer wieder ins Spielfeld. Durfte der Schiedsrichter, um kurz vor Spielende die Begegnung schnell fortsetzen zu lassen, das Spiel anpfeifen?
Der Schiedsrichter handelte falsch, da sich zum Zeitpunkt des Anstoßes alle Spieler in ihrer eigenen Spielfeldhälfte befinden müssen. Wenn das Feiern eines Torerfolgs zu lange dauert, müssen die Spieler aufgefordert werden, schneller in ihre Spielfeldhälfte zu laufen. Die vergeudete Spielzeit kann nachgespielt und bei unsportlicher Spielverzögerung können schuldige Spieler verwarnt werden. Der Anstoß muss wiederholt werden.
17. Ein Verteidiger begeht ein grobes Foul, als er in zentraler Position im Strafraum einen Angreifer von hinten in die Beine tritt und dadurch eine klare Tormöglichkeit verhindern will. Unmittelbar danach prallt der Ball zu einem weiteren Angreifer, der den Ball ungehindert und kontrolliert auf das Tor schießen könnte. Wie soll der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Bei groben Fouls wird grundsätzlich nicht auf Vorteil entschieden. Ergibt sich jedoch eine eindeutige Torchance, die sofort genutzt werden kann, soll in diesem Ausnahmefall das Spiel nicht unterbrochen werden. Wird ein Tor erzielt, muss der schuldige Spieler danach des Feldes verwiesen werden. Spielfortsetzung mit Anstoß. Wird kein Tor erzielt, ist auf Strafstoß und Feldverweis zu entscheiden.
18. Während des Spiels läuft der Trainer auf das Spielfeld. Von einem Spieler der gegnerischen Mannschaft wird er heftig zu Boden gestoßen. Nun unterbricht der Schiedsrichter das Spiel. Wie muss er entscheiden?
Mit dem Betreten des Spielfeldes erfolgt eine Spielbeeinträchtigung durch den Trainer. Deshalb ist das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball dort fortzusetzen, wo sich der Ball bei der Spielunterbrechung befand. Zuvor ist der Trainer aus der Technischen Zone und der Umgebung des Spielfeldes zu weisen. Außerdem muss der schuldige Spieler des Feldes verwiesen werden.
19. Nach einem Stürmer-Foul in der Nähe der Torlinie hält der Angreifer den Ball fest und verhindert dadurch kurz vor Ende des Spiels die Ausführung des Freistoßes. Deshalb läuft ein Auswechselspieler über die Torlinie auf das Feld und will dem Angreifer den Ball aus den Händen reißen. Wie muss der Schiedsrichter reagieren und entscheiden?
Durch eine schnelle Tatortpräsenz muss der Schiedsrichter weiteren Ereignissen vorbeugen. Notfalls muss, falls vorhanden und möglich, der neutrale Assistent Unterstützung gewähren. Der Angreifer ist zu verwarnen, da er die schnelle Spielfortsetzung verhindert. Wegen des unerlaubten Betretens des Feldes ist der Auswechselspieler zu verwarnen. Ob „Gelb/Rot“ erforderlich ist, hängt von der Heftigkeit seiner Aktion ab. Nach dem Pfiff Spielfortsetzung mit direktem Freistoß.
20. Der Ball wird auf das Tor geschossen. Ein Verteidiger, der neben dem Tor behandelt wurde, läuft nun auf das Spielfeld und versucht, den Ball vor Überschreiten der Torlinie mit der Hand aufzuhalten. Dies gelingt jedoch nicht; der Ball gelangt ohne Berührung ins Tor. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?
Da es dem Verteidiger nicht gelingt, den Ball zu berühren oder aufzuhalten, ist das Tor anzuerkennen. Für das unerlaubte Betreten des Spielfeldes muss der Verteidiger verwarnt werden. Spielfortsetzung mit Anstoß.
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