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Regeltest DFB-Schiedsrichterzeitung 01/2009 - Lösung


Situation 1
Der Torwart hat den Ball abgefangen und tippt ihn mehrfach auf den Boden auf. Ein Angreifer steht unbemerkt hinter ihm und spitzelt den gerade aufspringenden Ball mit dem Fuß weg, ohne den Torwart dabei zu berühren.
Indirekter Freistoß für den Torhüter, da jeglicher Angriff verboten ist, solange er den Ball hält, und er auch beim Abschlag nicht behindert (angegriffen) werden darf. Das Auftippen des Balles zählt nicht als Ballfreigabe.


Situation 2
Auch in diesem Beispiel hat der Torwart den Ball gefangen. Nach einigen Sekunden legt er den Ball auf den Boden, da er den hinter ihm stehenden Angreifer nicht gesehen hat. Dieser Angreifer erkämpft sich den Ball und erzielt ein Tor.
Das Tor ist gültig. Wenn der Torhüter den Ball auf den Boden legt, ist er frei und damit für andere spielbar.


Situation 3
Strafstoß. Der Spieler mit der Nummer 5 legt sich den Ball zurecht, begibt sich außerhalb des Strafraums und alle rechnen mit ihm als Strafstoßschützen. Plötzlich läuft aber der Spieler mit der Nummer 9 an.
Der Schiedsrichter muss das Spiel sofort unterbrechen (nicht die Wirkung des Strafstoßes abwarten). Der Spieler mit der Nummer 9 wird verwarnt und anschließend wird der Strafstoß ausgeführt. Welcher Spieler jetzt den Strafstoß ausführt, bleibt der Mannschaft überlassen. Er muss lediglich als Schütze klar identifizierbar sein.


Situation 4
Der Schiedsrichter entscheidet auf Freistoß im Mittelfeld für den Platzverein. Ein Gästespieler stellt sich vor den Ball. Jetzt schießt der Spieler des Platzvereins den Ball absichtlich und heftig dem Gegenspieler an den Körper.
Zunächst gibt es eine Gelbe Karte für den Spieler, der sich vor den Ball gestellt und damit die Fortsetzung des Spiels verzögert hatte (Unsportlichkeit). „Rot“ gibt es dann für den Spieler des Platzvereins, da er den Gegenspieler absichtlich und heftig angeschossen hatte.


Situation 5
Ein Spieler wird deutlich gefoult. Der Schiedsrichter lässt aber Vorteil laufen, da er sieht, dass ein Mitspieler den Ball in aussichtsreicher Position erhält. Dieser Spieler erreicht zwar den Ball, vertändelt ihn aber anschließend in einem Zweikampf.
Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel nicht und lässt es weiterlaufen. Entsprechend den Spielregeln kann er zwar nach einigen Sekunden das Spiel noch unterbrechen (nachpfeifen), wenn der erwartete Vorteil nicht eintritt. In dieser Situation hatte der Mitspieler den Vorteil, er hat ihn lediglich nicht genutzt. Damit kann der Schiedsrichter nicht mehr nachpfeifen.


Situation 6
Ein Abwehrspieler wirft bei einem Einwurf den Ball zu seinem Torhüter zurück. Da der Ball unglücklich aufspringt, will der Torhüter den Ball mit den Händen abwehren. Er kann den Ball zwar noch berühren, aber nicht verhindern, dass er ins Tor springt.
Das Tor ist gültig, das Spiel wird mit Anstoß fortgesetzt. Die Ballberührung durch den Torhüter mit der Hand war zwar regelwidrig, aber hier wird selbstverständlich der Vorteil angewendet und das Tor anerkannt.


Situation 7
Eine Mannschaft führt einen Spielerwechsel durch. Ein Spieler hat das Spielfeld verlassen, der Auswechselspieler mit Zustimmung des Schiedsrichters das Feld bereits betreten. Jetzt stellt der Trainer fest, dass sich ein anderer Spieler verletzt hat. Daher möchte er jetzt diesen Spieler auswechseln.
Mit Verlassen des Spielfeldes durch den Spieler und dem Betreten durch den Auswechselspieler ist die Auswechslung vollzogen und kann damit nicht mehr rückgängig gemacht werden. Soll jetzt der verletzte Spieler auch noch ausgetauscht werden, so ist dies nur durch eine weitere Auswechslung möglich. Natürlich nur dann, wenn noch keine drei Spieler ausgetauscht wurden.


Situation 8
Während des Elfmeterschießens verletzt sich der Torhüter. Die Mannschaft hatte erst zwei Spieler ausgewechselt und kann daher den Ersatztorhüter einwechseln. Dieser Ersatztorhüter möchte jetzt auch einen Elfmeter schießen.
Dies ist zulässig. Jeder Spieler, der am Elfmeterschießen teilnimmt, kann auch einen Elfmeter schießen. Da die Einwechslung des Ersatztorhüters regelgerecht war, kann er auch einen Elfmeter schießen.


Situation 9
Ein Abwehrspieler spielt den Ball zu seinem Torwart zurück. Er trifft den Ball so unglücklich, dass der Torhüter den Ball mit seinen Händen gerade noch über die Querlatte lenken kann.
In diesem Fall ist die Ballberührung durch den Torhüter mit den Händen nicht erlaubt (Ball kam von seinem Mitspieler). Daher muss der Schiedsrichter auf indirekten Freistoß entscheiden. Der Freistoß wird auf der Torraumlinie ausgeführt. Eine Persönliche Strafe gegen den Torhüter gibt es nicht, ebenso selbstverständlich keinen Strafstoß. Hätte ein Feldspieler den Ball mit der Hand über das Tor gelenkt, so wäre neben einem Strafstoß auch noch eine Rote Karte die Folge gewesen.


Situation 10
Ein Angreifer läuft mit dem Ball alleine in Richtung des gegnerischen Tores. Jetzt beschwert sich ein Abwehrspieler beim Schiedsrichter in unsportlicher Weise, dass eine Abseitsstellung vorgelegen habe.
Der Schiedsrichter lässt das Spiel im Sinne der Vorteilgewährung weiterlaufen. Wird ein Tor erzielt, wird dieser Abwehrspieler unmittelbar danach verwarnt. Wird kein Tor erzielt, so gibt es in der nächsten Spielunterbrechung „Gelb“. Schwieriger wird es, wenn der Abwehrspieler den Schiedsrichter beleidigt haben sollte. Normalerweise wird bei einer Roten Karte kein Vorteil gewährt. Das Spiel wird dann unterbrochen und der Spieler des Feldes verwiesen. Lediglich wenn es sich um einen ganz klaren Vorteil handelt und sich dieser Vorteil in den nächsten Sekunden einstellt, dann soll er auch in einem solchen Fall gewährt werden. Regeltechnisch ist dies möglich, in der Praxis sollte es sich auf wenige ganz klare Ausnahmefälle beschränken.


Situation 11
Nachdem der Torhüter seinen Strafraum verlassen hat, bekommt er den Ball von seinem Mitspieler zugepasst. Da ihn ein Gegner angreift, spielt der Torwart den Ball zurück in den Strafraum und nimmt ihn dort mit den Händen auf.
Indirekter Freistoß gegen den Torwart. Er darf den Ball nicht mit den Händen berühren, da er ihm von einem Mitspieler absichtlich mit dem Fuß zugespielt worden war. Dass der Torwart den Ball selbst in den Strafraum spielte, ist nicht von Bedeutung.


Situation 12
Indirekter Freistoß für die Angreifer. Der Schütze schießt den Ball direkt auf das Tor. Ein Abwehrspieler auf der Torlinie faustet jetzt den Ball mit der Hand über das Tor.
Der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoß. Der Spieler wird wegen des unsportlichen Handspiels verwarnt. Ein Feldverweis wird nicht ausgesprochen, da durch das Handspiel kein reguläres Tor verhindert wurde (es hatte sich um einen indirekten Freistoß gehandelt).


Situation 13
Eine Weile nach dem Schlusspfiff beleidigt ein Spieler den Schiedsrichter, der das Spielfeld gerade verlassen hat.
Da der Schiedsrichter bereits das Spielfeld verlassen hatte, darf er dem Spieler keine Rote Karte zeigen. Er kann diesen Vorgang nur noch im Spielbericht melden. Wäre er noch auf dem Spielfeld gewesen, dann hätte er eine Rote Karte zeigen müssen.


Situation 14
Eine Mannschaft trägt rote Stutzen. Ein Spieler hat eine weiße Bandage über die roten Stutzen gezogen, die ungefähr das halbe Schienbein bedeckt.
Dies ist nicht zulässig. Normalerweise müssen sämtliche Feldspieler einer Mannschaft gleichfarbige Stutzen tragen. Die UEFA erlaubt jetzt Tapestreifen in einer anderen Farbe bis zu einer Breite von maximal zwei Zentimetern.


Situation 15
Ein Trainer stellt sich während des Spiels mehrere Minuten an den vorderen Rand seiner Coaching-Zone und gibt von dort Anweisungen an seine Mannschaft. Danach
bleibt der Trainer ruhig stehen und geht nicht zur Bank zurück.
Dies ist erlaubt und soll vom Schiedsrichter akzeptiert werden, solange sich der Trainer nicht unsportlich verhält und den Schiedsrichter und sein Team in Ruhe amtieren lässt.

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